Full text: 1928 (0006)

Saarkalender für das Jahr 1928 
    
Von den Gefallenen des Ludwigsgymnafsiums. 
In der Aula des Ludwigsgymnasiums hängt an der mit vielen Kränzen geschmückten 
Südwand in der Mitte eine bescheidene schwarze Tafel, die unter der Ueberschrift: „Dulce 
et decorum est pro patria mori“ in vergoldeten Buchstaben die Namen von dreizehn 
Schülern verzeichnet: Anhäuſer, Conrad, Deuſter, Dill, Heimbach, Schmidtborn, Schwarz, 
Wagner, Kallmann, Höſtermann, Poſth. Trinkkeller, Wilkens, die im Kriege 1870/71 in 
den Schlachten bei Wörth, Gravelotte, Mars-la-Tour, Villers-Bretonneux und Montigny 
den Tod für das Vaterland erlitten haben oder den Strapazen des Krieges erlegen ſind. 
Es ist ein recht ſinnvoller Gedanke gewesen, daß man die beiden großen, von Herrn 
Fabrikanten Burger, einem ehemaligen Schüler des Ludwigsgymnasiums, liebenswürdiger- 
weise gestifteten Marmortafeln, die die Namen der im Weltkrieg 1914/18 gefallenen 
Lr hrer und Schüler des Gymnasiums enthalten. so an derselben Wand angebracht hat, 
daß die Helden des Weltkrieges ihre Kameraden von 1870/71 liebevoll umſchließen. 
„Sie ſtarben für uns“ und „P atriae.inser viendo cons um o r“, das 
sſind die Uebersſchriften dieſer durch grüne Girlanden eingefaßten grauen Marmortafeln, 
und dieſe Sprüche wie all die vielen Namen von Lehrern und Schülern, die in goldenen 
Vuchſtaben von den Tafeln auf den Beſchauer herableuchten, ſollen allen gegenwärtigen 
und künftigen Schülern immer wieder eindringlich sagen, daß sie ſich mit der gleichen 
Slaatsgesinnung erfüllen sollen wie sie, die ihr Leben hingegeben haben für die Erhaltung 
des Vaterlandes, des deutſchen Wesens und der deutſchen Kultur. 
So ſinnreich und schön auch dieſe Ehrung der Gefallenen iſt. man hat geglaubt, nicht 
bloß die Namen auf Tafeln verewigen, sondern die Perſönlichkeiten der gesailenen 
Helden noch stärker ins Gedächtnis der Nachwelt einprägen zu müssen. Die heute 
lebende Generation kennt zwar noch vielfach die Namen der auf den Tafeln verzeichneten 
Gcfallenen, aber für die kommenden Geſchlechter verbinden sich mit den Namen nicht 
mehr beſtimmte Perſönlichkeiten. Daher hat man 
Den Toten zum Gedächnis, 
Den Leben den zur Hoffnung , 
Den Kommen den zum Vorbild 
ein Helden buch angelegt, durch das die Erinnerung an die große Zeit und an die 
tapferen Lehrer und Schüler des Gymnasiums immerdar lebendig erhalten werden doll. 
Dank der eifrigen Sammelarbeit von Herrn Pr of essor Wilkens ſind in einem 
mächtigen Lederbande, der nur die Auſfſchrift trägt: 
158 Gedenkblätter zuſammengekommen, auf denen neben dem Lichtbilde jeweils Mit- 
teilungen über die Teilnahme des Gefallenen am Kriege ſich befinden und hie und da 
Persönliches aus Briefen und Tagebüchern oder Bemerkungen von Vorgesetzten der 
Gefallenen angefügt sind. . 
Wer dieſes Buch zur Hand nimmt und durchblättert, wird es nicht ohne Erſchütterung 
aus der Hand legen. Drei Lehrer und über 160 Schüler, die zum Teil von der Schule 
zum Heeresdienſt gingen oder vorher Schüler des Gymnasſiums waren, sind gefallen zu 
Lande, in der Luft, auf dem Meere; die meisten in voller Jugendkraft. Zwei Schüler, 
Albert Loew und Karl Bühl, haben, noch nicht 17 Jahre alt, ihr Leben gelassen. 
Die meisten hat der weſtliche Kriegsſchauplatz gefordert. Allein die Kämpfe um Lihons 
haben sieben Schülern das Leben gekostet: Wil h elm Dürrf eld, Alfred Häus- 
ker, Friedrich Herwig, Karl Lantz, Artur Marx. Adolf Reinshagen 
und Karl Weber. Faſt alle bekannten Schlachtorte, in Flandern, an der Marne, bei 
_ Verdun, Hartmannsweilerkopf kehren in dem Buche wieder. Aber auch auf dem öſtlichen 
Kriegsſchauplatze, besonders in der Masurenſchlacht, sind viele Schüler des Gymnasiums 
dahingerafft worden. Drei Schüler ruhen auf dem Meeresgrund: Alfred Braun, 
der auf „S. M. S. Köln“ bei Helgoland unterging, Han s Ruer, der mit „S. M. S. 
Pommern“ in der Schlacht im Skagerrak verſank und W olf h art Gi eck e, der auf 
„S. M. S. Leipzig“ in der ruhmvollen Seeschlacht bei den Falklandsinseln den Heldentod 
fand. Vier Schüler starben den Fliegertod: Wolf g ang Falk enh ein, Hug o Jöns , 
Paul v. Oettinger und Adolf Zilles en. Auf allen Schlachtfeldern in Europa, 
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Von § vielen Schülern, die als vermißt gemeldet sind, kennt man das Grab nicht. 
Die meisten ſind fern von der Heimat in fremde Erde gebettet, 23 haben nach Ueber- 
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