Full text: 1928 (0006)

Saarkalender für das Jahr 1928 
  
  
  
Eile mit Wcile. Ein Schneider in der Hinnergaſſe, der ſich, ein Paket unterm Arm, beeilt, zur Stadt 
zu kommen, ſtolpert auf seiner ſehr engen, steilen, alten Holztreppe und sauſt von oben bis unten die Treppe 
unſanft hinab. „Na, so hätts ja nit grad preſsſiert,“ meint er, als er unſanft unten angelangt iſt und beruhigt 
die Nordpolargegend reibt. 
Aus der Schule. Ein Lehrer ſchreibt mir: ,,Ich habe lang und breit über das Knochengerüſt des Menſchen 
geſprochen und frage meinen klügſten Schüler: Was kannſt du mir über das Rückgrat erzählen? Antwort: Das 
ziagr.r iſt ein langer, dicker, ſenkrechter Knochen, an einem Ende ſizt mein Kopf und am andern Ende 
Zwei Iugendfreundinnen, die ſich jahrelang nicht geſehen hatten, trafen ſich unerwartet an demſelben Ort 
auf der Straße. „Ich habe dich gleich wiedererkannt,“ ſagte die Jüngere, , obgleich wir zehn Jahre getrennt 
waren.û“ – ,Dann habe ich mich wohl nicht ſehr verändert?“ fragte die andere. – ,Das ſchon“, erhielt ſie zur 
Antwort. ,Ich erkannte dich auch nur an deinem Hut, der noch derſelbe iſt wie vor zehn Iahren.“ 
Don Sereniſſimus. Sereniſſimus ſitzt mit ſeinem Adjutanten zuſammen. Er lieſt in der Zeitung, aber vor- 
ſichtigerweiſe nur im Anzeigenteil. Plötzlich ſagt er: „Hören Sie mal, wir werden ein Geſchäft anfangen, an 
dem Geld zu verdienen iſt.“ „Aber, Durchlaucht, wie ſollen wir das machen?“ ,Ich leſe hier: „Kuh zu ver- 
kaufen, die jeden Tag kalben kann.“ Damit iſt viel Geld zu verdienen, die kaufen wir.“ : 
Guter Rat. Dom alten, ſtets zerſtreuten Profeſſor Ley am Ludwigsgymnaſium zu Saarbrücken erzählt mir 
einer ſeiner Schüler folgende Schnurre. Ley iſt ſehr beſchäftigt und korrigiert mit Eifer die ſchriftlichen Arbeiten 
ſeiner Klaſſe. Plötzlich ſtürzt ſeine Thekla in das Studierzimmer: „Denke dir, unſere Kleinſte hat die Tinte 
ausgetrunken, was ſoll ich bloß machen?“ „Na, Thekla, dann ſchreib' doch mit Blei!“ 
Der Herr Profeſſor. Ein sſaarländiſcher Arzt erzählt aus ſeiner Studienzeit manch luſtiges Stücklein von 
einem als zerſtreut bekannten Professor. Einmal dozierte er: „Meine Herren, Sie ſehen hier in meiner Hand 
einen Schädel, der nach ſeiner ganzen Gestaltung einem Menſchen mit verbrecheriſchen Neigungen gehörte. Aber 
mein Kollege, Profeſſor R., beſitt einen noch viel ausgeſprocheneren Derbrecherſchädel.“ 
Ein gütlicher Dorſchlag. Der Geheime Oberbergrat H., früher in Saarbrücken, beſchäftigt ſich viel in ſeinem 
Earten, bearbeitet ſogar ſelbſt den Acker und zieht mit dem Gärtner abwechſelnd den Pflug, denn er will gern 
an Gewicht abnehmen. Eines Tages bleibt der Gärtner ſtehen, wiſcht ſich die Stirn mit ſeinem roten Sacktuch 
und meint: „Ich men als ganz, Herr Geheimrat, mir däte doch beſſer e paar r i < t i g e Ochſe vor dene 
Plug spanne.“ 
Aus dem neuen Elſaß. Ein Steckelburger findet beim Betreten der Wohnung ſeine Ehefrau, eine Ein- 
heimiſche. pur ſang, in Tränen. Sie berichtet: „Denk nur, was mir paſſiert iſt. Ich kanns kaum ſagen." 
„a, herus damit. So ſchlimm words net ſen.“ „Ich bin in em Geſchäft for e Boſche gehalte worre.“ Der Ehe- 
mann zu ſeiner Frau: „Dü worſch franzeſch gebabbelt han.“ 
Aus einem bekannten Bierlokal in der Reichsſtraße. Ein trinkfeſter Stammgaſt ſucht den mit allen möglichen 
Dingen geschmückten Stammtiſch auf, ärgert ſich über das unpünktliche Erſcheinen der Freunde und wendet 
ſich dann an den Kellner mit der Frage: ,„Iſt denn von den alten Schafsköpfen noch keiner da?“ „Leider nein, 
Herr K-r, Sie ſind der erſte." 
Kinder von heute. Klein-Lieſel iſt troß ihrer 5 Jahre ſchon ſehr muſikaliſch. Sie geht eines Tages mit 
ihrer Großmutter in eine Kapelle, in der eine Ordensſchweſter Orgel ſpiell. Nach dem Gottesdienſt fragt 
ſie: „Großmutter, weshalb hat die Schweſter denn nicht geſpiell: „Ich hab’ mein Herz in hHieidelberg 
verloren“, dann hätte ich doch auch mitſingen können.“ 
Aus Schüleraufſähßen ſtellt ein penfionierter Oberlehrer, früher im Saargebiet, einige luſtige Entgleiſungen 
zur Derfügung. Dichter bevorzugen abgelegene Orte. – Für Liebe und Freundſchaft hatte Napoleon kein 
Organ. – Die Königin CLuiſe legte ſich zwiſchen den König und Napoleon. – Miß Sara Sampson wurde durch 
einen Derführer ihrem Familienſchoße entriſſee. – Eine ktkatholiſche Schweſter kann nie wieder austreten, 
ſie muß zeitlebens im Kloſter bleiben. – Iohanna aber läßt ſich nicht mehr von Dunois und La Hire abhalten. 
~ Schiller hätte das Drama gerne beendet, aber die Arbeit an seiner „Braut“ hielt ihn davon ab. –~ Der 
Höhepunkt in Fouquets „Undine“ iſt die Enthüllung Undines nach der Hochzeit. – Der Solwaybuſen entſpricht 
nicht der Regel, daß in England die Buſen paarweis auftreten. 
„Kathederblüten“. Unſer Geſchichtslehrer, ein zerſtreuter Profeſſor der alten Schule, ſagte einmal bei dem Dortrag 
über Karl den Eroßen: „Wenn Sie über dieſen Gegenſtand – was ich. Ihnen nur empfehlen kann ~ näheres 
erjahren wollen, ſo kann ich Ihnen ein Buch empfehlen, deſſen Titel ich allerdings vergeſſen habe, aber es 
ſteht im 5. und 6. Kapitel.“ Ein anderes Mal: „Die Wohlgerüche von Tſchiras werden wieder und immcr 
wir der gelobt, aber wenn Sie hinkommen, ſo ſehen Sie nicht: davon!“ 
Das Berliner Mundharmonika. Ich bin im St. Johanner Wald und ſehe, mit welchen Schwierigkeiten ein 
großer Fichtenſtamm auf einer Fuhre transportiert wird. „Ich krien die Kehr nit,“ ſagt der Fuhrmann, 
„es geht nitl“ Ä ,Sie werden den Rieſenſtamm wohl durchſchneiden müſſen,“ entgegnet einer der Zu- 
ſchauer. – „Auch das geht nit, das Holz iſt beſtimmt zu einem Mundharmonika für einen Berliner, da 
reicht's grad!“ 
E 
 
	        
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.