Full text: 5.1927 (0005)

Saarkalender für das Jahr 1927. 
Graf, sondern „Kraft“ nannten (z. B. Lud- 
wig, Kraft von Saarbrücken), da wucden 
mit dem wachſenden Dünkel und der Zahl 
der aus der großen Krippe Gefütterten auch 
die Anforderungen an die Bürger und 
Bauern immer größer. Um dieſen Anforde- 
rungen den Schein der Berechtigung zu 
eben, die nirgendwo verbrieft und beſiegelt 
ag, wurden von den Herren die sogenannten 
Weistümer erfunden. Und die ſoprachen 
ihnen immer das Recht zu, und zwar 
ſo, daß, wenn zwei oder mehr von ihnen 
Streit unter ſich hatten, vielleicht um ein 
Stück Land, das keinem von ihnen gehörte, 
das jeder aber gerne für ſich gehabt hätte, 
jeder mit einem Weistum angewackelt kam, 
das ihm Recht gab. Um die Sache dann 
rein und unzweifelhaft zu entſcheiden, nahm 
jeder von ihnen Schwert und Spieß, und 
derjenige, dem es gelang, dem andern den 
meiſt hohlen Schädel einzuſchlagen, war im 
Recht und durfte das Stück Land behalten. 
Die Nachwelt umwand dann ſein Haupt mit 
dem Siegerkranz. ſchwur Eide auf ſeine 
Ritkterlichkeit und nannte ihn einen wackeren 
Kämpen und edlen Helden. 
Um so ein Weistum zuſammenzuzimmcarn, 
nahm man ſich einfach einen alten Mann 
aus dem Volke, der genau so stolz darauf 
war, von den Herren mit dem ihrem Vorteil 
dienenden Vertrauen beehrt zu werden, wie 
ein alkſaarbrücker Stadtrat, der vor der 
Walhl die blutrünſstigſten Reden geschwungen 
und versprochen hatte, den „ganzen Krempel 
in die Wurſcht“ zu hauen, dem aber nach 
der Wahl der Herr Bürgermeister die 
Schulter tätſchelte und ihn mit „mein lieber 
Herr Soundſso“ anredete. Gott, tat das ſo 
wohl, und aller Blutdurſt verſchwand mit 
einem Schlage! 
Diesem Alten ſsuggerierkte man dann die 
Weisheit, die er herzuſagen hatte, ſchüttete 
ihm vielleicht gar noch ein paar Maß Wein 
ein, kätschelle ihm den Rücken und das 
Weistum war fertig! 
Wie nun das alles zuſtande kam und was 
alles gezehntet und geleistet werden Buße; 
und was ſich alles an dem Schweiß der 
Bauern und Bürger erfreute, das erzählen 
uns die erhalten gebliebenen Akken aus 
einer Nachbargrafschaft, deren Inhalt aber 
ohne allen Zweifel auch hier bei 1ns der 
maßgebende war. 
NRehmen wir zunächst das mindestens ſchon 
um 1600 gültige 
Marktin-Register 
über Ha wer und Geldtk 
Renovirt 
im Iahr 1722 d en 20k. No v e mb e r. 
D a ß Multer, tet f G elt 2 alb. 
Ueber das, was gezinst werden nußte, 
gibt die erſte Seite Aufschluß. Sie lautet: 
Martin Zinß wird von einem Ehrſamm 
Gericht wie von Alters her erhoben. 
Denn wie wohl hergebracht und auf jeden 
geerbt, daß er ſoviel Gut, als 5 Schilling 
wert in unſerer Gemarkung liegen hat, der 
h L Guts t 1 N Rh 
jährlich auf Martini ein Simmer Hawer und 
4 Heller, wie dann hernach folgt, und in den 
Frohnhof 1 Heller. Jedoch verstirbt einer, 
ſo ſterben die 4 Heller ab, ſambt dem Sim- 
mer Hawer. Jedoch der einzelne Heller 
ſtirbt nicht ab, sondern gehet fort daraus der 
g.); "1 weh selefe:t Herter. :!!:: 
einem Einheimischen seine Güter verkauft, 
so darf (braucht) der Einheimiſche das Sim- 
mer Hawer nicht geben. 
Aber den fünſten Heller muß er geben. 
Wann dann nun einer im Gerichllichen 
Register verzeichnet, der vorstehe (komme) 
tu . T Ul Pute vet ct;! 
nächſten Tag hernach und wenn die Ein- 
heimischen nicht kommen und ihren Heller 
und Hawer vor Untergang der Sonnen nicht 
ausrichten – und wie dann auch mit dem 
Achtenſschnitt gehalten wird, wenn. einer aus- 
bleibt, iſt dieses die Strafe: 
den ersten Tag 5 Schilling, den andern 
Tag 10 Schilling, den 3ken Tag 20 
Schilling, den vierten Tag 40 Schilling, 
den 5ten Tag 80 Schilling, den ſechſsten 
Tag 160 Schilling, Exiconsiquinta, ſo lang 
und viel biß der Zinß erlegt ist. 
Wie es mit den Kosten (d. h. die Gebähren 
für die mitwirkenden Gerichtspersonen) ge- 
halten worden, wissen die Gerichte. Den 
erſten Tag f: die Ausländiſchen erhebt der 
Schultheiß beneben dem Büttel. 
Nota: Die Außländischen sollen jährlich. 
wie bräuchlich ihren Hawer ſelber bringen 
und liefern ~ 
Nota: Wann der Achtenſchnitt nicht getan 
wirdk, so muß jeder so ſelbigen zu thun 
ſschultig, 2 44 auf Martini zur Erkendnuß 
(Anerkennung) geben, und der Abt dem Ge- 
richt das Imbs. : 
Diese Hawer werden alſo geteilt wie folgk: 
Unsere gnädige Herrſchaft nimmt vier 
Malter beforab. Darnach macht man Vier- 
e rv nimmt der Stummſchultheiß 
ein Theil. 
Darnach nimmt unsere gnädige Herrſchafk 
die andere Dreytheil aber halb, darnach 
nimmt der Herr von der Ley und der Herr 
von Schönborn das übrige Theil. 
  
78
	        

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.