Full text: 5.1927 (0005)

Saarkalender für das Jahr 1927. 
  
Transportdampfer bei uns allen lebhaft bedankten und uns wie den Kommandanten 
horſlehen lieten: da sie ihn als tapferen, aber auch zugleich edlen Menſchen kennen 
Der .ſschwarze Tags bei den Keelingsinſeln. 
Nach diesem erfelgreichen Gefecht am 28. Oktober fuhren wir in den Stillen Ozean. 
Als Ziel wurden die Keelingsinseln bezeichnet, auf der wir die engliſche Funken- und 
Kabelstation zu zerstören gedachten. In den ersten Vormittagsſtunden des 9. No- 
vember 1914 erreichlen wir nach reicher Kreuzfahrt die Kokosinseln. Von feindlichen 
Schiffen war bei klarer Sicht nichts zu bemerken. Sofort nach unserer Ankunft setzten 
50 Mann unter Führung des Kapitänleutnants v. Mücke an Land, um die engliſche 
Kabelleitung und Funkstation zu zerſtören. (In abenteuerlicher Fahrt fuhr später Kapitän- 
leutnant v. Mücke von den Keelingsinseln mit seiner Mannschaft auf einem alten 
Schoner durch das Indiſche Meer nach Hodeida (Arabien) und gelangte über Damaskus 
und Konſtantinopel nach Deutſchland.) Kurz darauf ſichteten wir in nördlicher Richtung 
ein Schiffs, das wir anfänglich für unseren durch Funk hierher beorderten Kohlendampfer 
hielten. Erst auf eine Entfernung von 35 Seemeilen erkannten wir ein starkes feind- 
liches Kriegsschifsî Auſtraliens, die „Sidney“. 
Sofort wurden alle Kessel unter Dampf gesetzt, und in voller Fahrt jagten wir 
dem Feinde enigegen. Es war keine Zeit mehr zu verlieren. wir konnten daher die 
zur Zerſtörung der Funkstation ausgesetzte Mannſchaft nicht mehr an Bord nehmen. 
Auf 9000 Meter eröfſnete die „Emden“ das Feuer, das alsbald von dem ,Auſtralier“ 
erwidert wurde. Ich befand mich vor Beginn des Gefechtes auf dem Oberdeck, eilte 
aher sofort nach geklärter Sachlage auf meinen Posten an die Rudermaſchine. Unsere 
Treffsicherheit machte sich anfänglich günſtig bemerkbar, renn der Gegner zog sich eine 
Strecke zurück, eröffnete dann aber erneut mit seinen an Größe uns weit überlegenen 
Rohren eine raſende Kanonade. Seine Armierung bestand aus 15,2- em - Geschützen, ' 
denen gegenüber wir nur über 10,5-em-Kanonen verfügten. Dazu kam bei der „Sidney“ 
noch die starke Panzerung gegenüber dem ungeschütßten Kreuzer, eine Ueberlegenheit 
des Gegners also, die wir auf die Dauer durch noch so große Disziplin nicht wettmachen 
konnten. Treffer aus Treffer verwandelte unser Oberdeck in einen wüsten brennenden 
Trümmerhaufen. Glötlich erlitt auch die Ruderleitung eine Störung. Um ſ sie zu 
beseitigen, mußte ich mich auf das Oberdeck begeben. Vergeblich verſuchte ich dort, 
dur< Brand und Zerſtörung am Vorwärtskommen gehindert, das Vordersſchiff zu 
tr!eihes: Beryr ich jedoch wieder in pen Nudereguyi ging, "r! teh einen Hs auf 
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lich. schwächer, ich glaubte schon, der Kampf sei zu unseren Gunſten entschieden und 
machte in dieſem Sinne den Kameraden im Ruderrauimn Mitteilung. Wenige Augen- 
blicke später riß aber eine ſchwere Granate die Panzerdecke des Ruderraums völlig 
auf. Brand unt Geſchoßgaſe betäubten uns und machten den Aufenthalt unerträglich. 
Bei einer Temperatur von 75 bis 80 Grad waren wir noch gezwungen, dicke Mull- 
binden anzulegen, um uns vor dem schwelenden Feuer und ſtickigen Gasſchwaden zu 
schütten. Schon einer der nächſten Schüsse zerstörte auch die Ruderkuppelung. Ver- 
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zu löschen und vor allem die Verwundeten in noch geschützte Räume zu bringen. Unser 
hart mitgenommenes Schiff gab zu dieser Zeit trotalledem noch wohlgezielte Schüſſe 
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ſtelle, zer#törte allec in der Umgebung und tötete meine Kameraden in der Nähe bis 
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Arm davon. Alles um uns her stand im Nu in Flammen. Gänzlich von Trümmern 
eingeſchloſſen, blieb uns nur das große Loch als Weg frei, das die lettte verhängnisvolle 
Granate in die Bordſeite der „Emden“ gerissen hatte. Dor1 bemerkte ich eine Flaggen- 
leine, die vom Oberdeck außer Bord herabhing. Diese band ich um den verwundeten 
Schiffsarzt, der sich inzwiſchen durch Abbinden des Beines oberhalb der Wunde vor 
weiterem Blutverluſt zu schützen suchte. An der Leine wollte ich auf das Oberdeck 
klettern und dorthin den Arzt nachziehen. Kaum eine Handbreit war ich noch von 
  
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