Full text: 1926 (0004)

Saarkalender für das Jahr 1926 
Man muß ſich zu helfen wiſſen. In Altenwald wurde mal ein neuer Querſchlag angeſchlagen, wdbei der 
als etwas ,Kknaſchdig“ bekannte Oberſteiger den Steiger ſt1g: „Wie bekommen wir das wohl am billigſten 
t:; p stnuf Ftezger der Schalk im Auge blizte und er antwortete: „E i, mir g en n (geben) 
Der alte Donn in Elversberg, einer der Bergleute von echtem Schrot und Korn, war in ſeinen alticn 
Tagen kurzsſichtine. Eines Tages kaufte er „uf 'm Berg“ beim „Leibenguth“ Cervelatwürſtchen. Gegenüber 
der Fichtenwirtſchaft (jezt kath. Bürgerſaal) fiel ihm ein Würſtchen in den früher die Fichtenſtraße be- 
grenzenden moraſtiſchen Graben. Der Alte bückte jich rnd ſuchte und fand im Graſe ein Etwas, das 
quietſchte. „Kannſt quiek mache, kannſt quack mache, haſcht 'n Groſche koſcht, du wirſcht geß,“ ſagre 
Dectter Dony und ſteckte das Etwas in seine Rocktaſche, das ſich zu Hauſe als ein Froſch entpuppte. Der 
„alte Ohnewamſch“, der ſtets fidele Schuſter, war bei ihm, der natürlich nicht den Schnabel hielt. Heute 
noch kann man in E. den Ausruf des alten Bergknappen hören, der ſchon vor einem Menſchenalter die 
lehte Grubenfahrt angetreten hat. 
Der ſonntäglich Frühſchoppen in alter Zeit. In Fürſtenzeiten war es in Alt-Saarbrücken verboten, 
während des Gottesdienſtes ein Wirtshaus zu beſuchen. Die Alt-Saarbrücker Bürger, die ſich trotzdem ihren 
Sonntagsfrühſchoppen nicht entgehen laſſen wollten, gingen nach St. Iohann hinüber, um dort ihren Durſt 
zu ſtillen. Die fürſtliche Polizei revidierte aber auch in St. Iohann. Der betreffende Poliziſt pflegte dann 
ſeiner Pflicht nachzukommen, indem er an der Türe des Lokals fragte: „Iß jemand aus Saarbricke do?" 
~ „Nä!“ erſcholl dann einstimmig die Antwort, auf die hin der Poliziſt ruhig weiter ging. 
Im Religionsunterricht ſpricht die Lehrerin über die Allgegenwart Gottes. „Gott ſieht alles, er ijſt 
überall gegenwärtig. Wenn ihr Frühſtückspanſe habt, und ich bin allein in der Klaſſe, wer iſt dann also 
bei mir?“ Käthe S. hebt den Finger. „Nun?“ ,,Der Herr Lehrer aus der 2. Klaſſe!“ 
  
Aus den Briefen an ein Wohnungsamt. 
Wir veröffentlichen im Folgenden ein paar Stilblüten aus den Briefen unbeholfener Schreiber. 
Wir wollen nicht mißverſtanden werden. Die hinter diesem unfreiwilligen Humor lagernde Not 
der einzelnen Petenten wird nicht verkannt oder versſpöttelt. Aber das Lachen über komiſche Form 
bebeutet keine Roheit, wenn die Teilnahme für die Leidenden dadurch nicht .abgeſchwächt wird. 
Uno vielleicht weckt's den Sinn für die Hilfsbereitschaft noch eindringlicher als der Nachklang ſchul- 
gerechter Notſschreibriefe: 
„Ich sitze schon seit drei Wochen auf der Straße, das iſt vom geſundheitlichen Standpunkt ganz 
gefährlich. Unter solchen Umständen iſt ein Familienleben tief bedauerlich.“ 
W 
„Ich brauche die Mansarde zu beruflichen Zwecken als Sänger. In wenigen Wochen erwartet 
meine Frau ein Kindchen, wie auch meine 75 Jahre alte, mittelloſe Schwiegermutter.“ 
. 
„Mittags um 12 Uhr, wenn sonst die Sonne hochſteht, müſſen wir die Lampe anzünden. Das 
reicht nicht für uns zum Licht, denn meine Frau und ich sind zusammen 12 Personen.“ 
§ V 
„Ich wohne miserabel bei meinen Schwiegereltern, bin seit 6 Monaten verheiratet und wir 
erwarten ein Kind. Ich frage hiermit das Wohnungsamt: Muß das ſein?“ 
w 
„Besonders der Umstand, daß meine Schwiegermutter gestorben iſt, bedarf der Abhilfe.“ 
|~ 
„Bei dem fortwährenden Lärm in der . . . .. . straße wurde mein Zimmer mitgenommen.“ 
Ä 
„Ich habe eine Tochter und zwei Söhne. Wir alle sind fo beschränkt, daß wir nur zwei 
Betten aufstellen können.“ § 
# 
„Ich bin Nachtwächter und verdiene am Tage 45 Franken.“ 
„Ich werde den Schnupfen nebſt meiner Frau nicht los. Außerdem habe ich den Rheumatismus 
und ein Kind von 4 Jahren. Dieses iſt auf Feuchtigkeit zurückzuführen.“ ; 
LJ 
„Ich schlafe mit meiner Frau und dem Kinde in einer kleinen Mansarde auf dem Chaiſelongue, 
woſſelbſt ich auch lkioche.“ 
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