Full text: 4.1926 (0004)

Saarkalender für das Jahr 1926 
  
  
sich die Folgen der unerhörten, unmoralischen, gesetzwidrigen Abbaumethoden nicht nur 
unter Tage bemerkbar, wo der einſt blühende Zuſtand der Gruben durch Verwahr- 
loſung und Gleichgültigkeit kaum noch zu erkennen ist, sondern auch über Tage, wo 
für eine Reihe von Ortſchaften Einsturzgefahren in einem früher nie gekannten Maße 
bestehen. In Friedrichsthal, Dudweiler, im Köllertal treten Häuſerſenkungen auf, die 
ihre Urſache hauptsächlich in dem ſchlechten, mit billigem Verſatz-Material vorgenom- 
menen Ausfüllen der abgebauten Flöze haben. Am meisten zu leiden aber hat der Ort 
Schnappach, wo die Bodensenkungen einen derartigen Umfang angenommen haben, daß 
faſt kein Haus unbeschädigt geblieben iſte. Die große Ausdehnung der Schäden und 
Zerſtörungen iſt auf den Umstand zurückzuführen, daß die Bergverwaltung im Gegen- 
satz zu der preußiſch-bayeriſchen Bergverwaltung einen bisher absichtlich nicht abgebauten 
sogenannten Sicherheitspfeiler nun um der Beute willen zum Abbau in Angriff genommen 
und nur ſchlecht ausgefüllt hat. Auf unseren Bildern haben wir einige Zerſtörungen 
feſtgehalten, die nur einen Teil des angerichteten Schadens darſtellen. So mußte das 
Gasthaus zu den 12 Apoſteln völlig geräumt und durch Barrieren abgeſperrt werden, 
gleichfalls Schule und Kirche, da hohe Einsturzgefahr besteht. Einzelne Häuſergruppen 
ſind ſchon niedergelegt worden, andere werden über kurz oder lang folgen. Im ganzen 
ſind 45 Häuſer in Mitleidenschaft gezogen, die teils abgebrochen werden mußten, teils 
dem Einsturz nahe sind, ſodaß sie nicht mehr bewohnt werden können. Es ist nicht zu 
verwundern, daß sich der Be- 
völkerung eine große Erre- 
gung bemächtigte, zumal die hz Biz. 48 
neuen Bergherren verſuhte....U 
ſich ihrer vollen Schaden.. 
ersſatzpflicht zu entziehen. Die ; 
Raubbaupolitik hat zu einer | 
Anfrage im bayeriſchen Land- [lv 
tag geführt, worauf das Hann. In... j 
delsminiſterium ausdrücklieelſ N.| 
die Verpflichtungen der fran- . 
zösiſchen Bergverwaltung auf 
Grund des gültigen Bayeri- | 
ſchen Berggeſetzes feststellte. 
In der Erklärung hieß es | 
u. a.: „Aber auch die dem 
Völkerbund unterſtellte Re- 
gierungskommiſsion des Saar- 
gebietes hat durch ihre Berg: 
baubehörde nicht die Aufgabe 
erfüllt, die ihr Art. 253 des h| 
Berggeſetzes auferlegt, näm- 
li ch P erſ onen und Ei g entum Ein durch rüzkfichtsloter. Fruvenday c ?rewo!en bereits niedergelegtes 
  
  
gegen gemeinſchädliche Ein- 
wirkungen des Bergbaues zu ſchützen und den Schutz der Oberfläche im Interesse der 
perſönlichen Sicherheit und des öffentlichen Verkehrs wahrzunehmen. “ 
  
101; 
  
 
	        

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