Full text: 2.1924 (0002)

Saarkalender für das Jahr 1924. 
  
  
  
Begeisterter Empfang einer Saargruppe am Rathaus. (Im Vordergrund die St. Johanner Turnerschatt.) 
goldene Löwe der hiſtoriſchen Fahne der 48er Blumen- und Eichenſchmuck, aber das | 
Füllhorn der Liebe ſcheint unerschöpflich. Ununterbrochen fallen die Rosen auf die Reihen 
nieder, ununterbrochen wälzt sich vier Stunden lang ein donnernder Ruf durch die 
Straßen, ununterbrochen wächſt die Zahl und die Buntheit unbeschreiblicher Eindrücke. Da 
wird manchem erſt bewußt, was Hoffmann von Fallersleben hat sagen wollen, als er sein 
Lied mit dem glühenden Bekenntnis ſchloß: Deutschland, Deutschland über alles! Und 
wenn es ihm nicht gleich bewußt iſt, dann zeigt es ihm ein wahrhaft überwältigender 
Augenblick: In der Nähe der Feldherrnhalle stockt der erſte Zug, weil seine Spitze 
dm Stachus mit der Spitze des zweiten Zuges sich genau vereinen muß. In dieſem 
Moment ziehen die Danziger, die Königsberger und Schlesier „am [Saargebiet“ 
vorbei und entfesseln ſtürmiſche Verbrüderungsszenen. „Von Ost nach West“ tönt es den 
Saarländern entgegen, „von West nach Oſt“ hallt es zurück. Und gleich vegnet es aus 
dem Schatze der Saarländer Blumen auf die Reihen der öſtlichen Brüder. Dann folgen 
die Berliner und Hamburger, die Deutschen der Ueberſoe und des europäischen Feſt- 
landes – und alle schaffen denkwürdige. unvergeßliche Stunden. – ! 
_ Zwar ist das Fest nun verrauſcht, aber die Saarländer zehren an diesen [Stunden. | 
Sie werden ſich, wenn sie die Fesſtzugsbilder betrachten, erneut die Münchener Tage 
in die Erinnerung zurückrufen und aus dem Glanze dieser Tage die Hoffnung ſchöpfen 
für die Zukunft. Sie werden dann auch jenes häßliche Bild vergeſſen, das den Weg 
zur Heimat trüben sollte. Wähnte der tapfere Douanier, als er den Saarländern die | 
Erinnerungszeichen an München nahm, damit die Erinnerung auch im Herzen getilgt 
zu haben? Dann wird die Zukunft ihn und alle |die enttäuſchen, die der Bevölkerung 
links des Rheins die Vaterlandsliebe aus den Herzen reißen wollen. L. Bruch. 
  
  
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