Full text: 2.1924 (0002)

Saarkalender für das Jahr 1924. 
  
bis in- die Gegend von Oedenburg gelangt war; am 12. Dezember 1664 dankte er sein 
Regiment ab. Der traurige Feldzug hatte noch ein klägliches Nachspiel; es gelang 
dem Grafen nicht, die ihm und seinen Offizieren noch geschuldeten Gelder ausbezahlt 
zu erhalten, er klagte, daß er 8000 fl. aus dem Seinigen bei diesem Kriegszuge zu- 
geſett habe. Man muß die Berichte ſelbſt leſen, um ein Bild von der erbärmlico 
Kriegsverfaſſung jener Zeit zu erhalten. Im Jahre 1666 veiſten die Saarbrücker Beamten, 
der Hofmeister von Rüdesheim und der Rat Pfeiffer nach Frankfurt. um Abrechnung 
mit dem oberrheiniſchen Kreis zu halten, aber Geld erhielten ſie nicht, da in der 
Kreiskasse infolge der Säumnis verſchiedener Kreisbestände Ebbe war. Noch im Herbſt 
des Jahres 1667 war der Graf nicht befriedigt. 
Aber mittlerweile waren andere, ſchwerere Sorgen an den Grafen herangetreten. 
Da dem König von Frankreich im Weſtfäliſchen Frieden das Bistum Metz zugefallen war, 
vun dem einige Teile der Grafschaft Saarbrücken lehnspflichtig waren, ſo wurde der 
Graf i. J. 1662 aufgefordert, vor dem Kgl. Gerichtshof in Metz zu erſcheinen und 
zu erklären, daß er keinen anderen Souverän als den König won Frankreich anerkenne, 
widrigenfalls er des Verbrechens der beleidigten Majestät schuldig erklärt und seine | 
Länder eingezogen werden ſollten. ' 
Da der Graf ſich mit Beschwerde an den deutſchen Reichstag wandte, beſtand 
Ludwig AW. einstweilen nicht auf seiner Forderung, aber er fand bald eine Gelegen- 
heit, seiner Drohung mit den Waffen Nachdruck zu geben. 
Im Jahre 1673, während des zunächſt gegen Holland gerichteten zweiten Raub- 
krieges, zog der franzöſiſche Marſchall Turenne durch Saarbrücker Gebiet. Ein fran- 
zöſiſcher Ofsigier besetzte das Schloß in Saarbrücken und bestürmte den Grafen Guſtav 
Adolf, er möge des Kaiſers und des Reiches Dienste fahren lassen, sich an Frankreich | 
anschließen und eine franzöſiſche Beſatzung aufnehmen. Als warnendes Beispiel wurde 
ihm der Herzog von Lothringen vorgehalten, der einer dev angesehensten Fürsten sein 
könnte, nun aber wegen seiner Feindschaft gegen Frankreich von Land und Leuten 
flüchtig sei. Der Graf aber erwiderte, er habe dem Kaiſer und dem Reich geschworen 
und könne seinen Eid nicht brechen. Er wolle lieber sein Leben verlieren, als sich von 
seinem Oberhaupt losſagen. Und als am folgenden Morgen der Frangoſe, nachhem er 
Verstärkung durch 200 Dragoner erhalten hatte, sein Verlangen erneuerte, erklärte der 
Graf, er wolle lieber mit einem Stecken davongehen, als den Reichsfeinden zu Willen 
sein. Darauf wurde der gräfliche Hofmeiſter als Gefangener fortgeführt; dem Grafen 
aber legte man einen Revers vor des Inhalts, daß er weder direkt noch indirekt etwas 
gegen den König unternehmen wolle; auch ſolle er den Bürgern befehlen, ihre Waffen 
abzuliefern; andernfalls werde er nach Metz abgeführt werden. Wenn er sich dagegen 
willfährig zeige, so werde ihm der König ein Regiment zu Pferd und zu Fuß geben. 
Doch der Graf blieb fest, ja er verbot dem Schultheißen und den Meiern (Bürgermeiſtern) 
bei Strafe des Stranges, die Befehle der Franzosen auszuführen. Jetzt gebrauchten 
die Franzoſen Gewalt, ließen den Grafen durch 30 Musketiere aus dem Schloß ins 
Rathäus gtihzen und am nächſten Morgen (13. Dezember 1673) durch eine [Schwadron 
etz bringen. 
Die Gemahlin und der Bruder des Grafen unterließen nichts, um die Freilaſſunn - 
des Grafen herbeizuführen. Der Bruder des Grafen erbot sich dem König gegenüber 
zur Bürgichaft; doch Graf Guſtav Adolf selbſt schrieb ihm von Metz aus mit männlicher 
Festigkeit: Er danke ihm sehr für ſeine Opferwilligkeit, aber mit der Rückkehr nach 
Saarbrücken sei es nicht getan. Er wolle lieber zu Pignerol oder sonſt, wo es dem 
König gefalle, seine Tage beſchließen, als ein Sklave in- odev außerhalb seines Hauſes 
ſeim. Er tröſte sich mit dem Glauben an die Wahrheit des Wortes: veritas premitun 
sed non opprimitur. (Die Wahrheit kann leliden, aber nicht sterben.) Seine Nachkommen 
sollten nicht sagen, daß er ihnen etwas vergeben hätte. Die Gräfin Eleonore Clara, 
eine geborene Gräfin v. Hohenlohe, ließ dem Kailſſer eine Klageschrift überreichen, 
in welcher sie in beweglichen Worten um die Hilfe des Reichsoberhauptes bat, „weil | 
doch um Ew. Kaiserliche Majestät und des Reiches wegen mein herzlieber Mann sein 
Leben, Gut und Blut in die Schanze ſchlägt.“ ; 
Da bald nachher Kaiſer und Reich an Frankreich den Krieg erklärten, so gelang es 
nur durch Vermittelung des ſchwediſchen Gesandten, die Freilaſſung des Grafen zu 
erwirken, nachdem dieser verſprochen hatte, ſeinem von den Franzoſen besetzten Schloß 
Saarbrücken fern zu bleiben. Er erhielt nun die längst gewünschte Anstellung als kaiser- 
licher Generalwachtmeiſter zu Pferd und Oberſter über gwei Kreisregimenter. In dieser 
Eigenschaft nahm er an der Belagerung der Feſtung Philippsburg (bei Speyer) teil, 
die im September 1676 den Franzosen entriſſen wurde. Die Kaiserlichen rückten nun 
  
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