Full text: 2.1924 (0002)

In Elsaß-Lothringen wurde der Saarkalender von den Behörden ver- | 
boten. Vorbei, vergeſſen iſt das alte Paradies, doch schmeckt verbot'ne Frucht 
noch süß! Seit jenem Tage kauften unsere Grenznachbarn in geradezu ſselt- 
ſamer Einmütigkeit die verpönte Schrift und werden sie, wie ich hoffe, mit 
Fleiß studiert, aber niemals darin ein abominable pamphlet contre la France 
entdeckt haben. Auch hier die Kraft, die das Böse will und das Gute ſchafft. 
Die Lufl1 iſt dieſig, bleigrau liegt der Himmel noch immer über dem I 
Saargau, wenn auch îchon vereinzelt erfriſchende Windſtöße ein freieres 
Atmen gestatten und die Hoffnung auf einen Temperaturwechſel beleben. De 
ohne Not erlassene Notverordnung Nr. 1 vom 7. März fand zwar ihr wohne. 
verdientes unrühmliches Ende. Die Leichenreden hielten das englische Par- 
lament und die Presse der gesamten zivilisierten Welt. Sang- und klangſlſcs 
werſchwand das unglückliche Geschöpf in die Versenkung, aber nicht ohne 
eine üble Hinterlassenschaft in der Notverordnung Nr. 2 vom 18. Juni mite 
einer verböſerten Faſsſung gegen das Schrifttum. 
Doch, was nach außen grauſam ſrcheint, 
Hat uns im Innern froh vereint; 
Auch denkt daran, vergeßt es nicht: 
„Gehorsam ist des Chriſten Pflicht!“ 
[Seid untertan der Obrigkeit 
Und übt Geduld zu jeder Zeit. 
Es liebt der Pälzer den Krakteel, 
Doch Saarlands Herz tropft Seſamöl! 
In solchen Friedensgedanken packte ich Reiſekoffer und Rucksack dees. 
neuen wanderfrohen Boten von der Saar. Er wird überall schon mit ungedulo 
erwartet, hinkt er diesmal auch etwas, so iſt es für ihn nur ein kleiner Schön- 
heitsfehler, der ihn geschichtlich vielleicht erst recht interessant erſcheinen läßt. 
Der vorliegende Stoff war überreich, aber, wie es die Zeit der Not un 
_ auch der Zweck eines volkstümlichen Buches dringend verlangen, mußte bei 
der Bearbeitung die Verwertung des Materials in engen, beſcheidenen Grenzken 
gehalten werden. Ich bitte darum alle Freunde des Büchleins, deren Zu ſenn. 
dungen diesmal nicht veröffentlicht ſind, um gütige Nachsicht und Geduld. Mit. 
gutem Beispiel bin ich hier ſelbſt vorangegangen und habe einige gröszÜree. 
Arbeiten mit Rücksicht auf den mir vorſchwebenden Plan ins dunkelſte Schul 
fach gesteckt. Es schien mir ein glücklicher Gedanke, diesmal möglichſt vielen 
Stimmen das Wort zu geben, jedem ein wenig Raum, um allen Wünſchen 
doch in etwas Rechnung zu tragen. Der führende Gedanke ſprach gegen 
einen dicken, ſchwerfälligen Folianten, er iſt nicht die Form für einen leicht- 
fühigen, peithia wandernden Boten, wie es der Saarkalender ſein ſoll und 
bleiben muß. 
Allen Mitarbeitern an dem Werk, die ſich so freudig, wie eine Reihe 
unserer erſten deutſchen Schriftsteller, in den Dienſt der guten Sache gestellt 
haben, auch an dieser Stelle herzlichen Dank. So möge das neue Jahrbuch 
des Saartals hinausziehen und Kunde bringen von unserem Leben, Streben 
und den Empfindungen, die das Saarland beherrſchen werden bis ans Ende 
aller Dinge. Allen Heimatgenoſssen nah und fern und allen, die ihnen anverwandt 
und zugetan sind, unseren treuen Saarlandsgruß: 
Glück auf! A. Z.
	        

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