Full text: 2.1924 (0002)

  
  
Saarkalender für das Jahr 1924. 
Die Paſtlinien durch Bnaarbrücken um 1850. 
(Aus den „Jugenderinnerungen“ von Ed. Haas.) 
Vor Erbauung der Eiſenbahn murden die kleinen Reiſen in die Umgegend Saar- 
louis, Forbach, [Saargemünd, Neunkirchen, St. Ingbert uſw. meiſtens auf Schuſters 
Rappen, die größeren dagegen auf Privatfuhren oder mit Poſtwagen zurückgelegt. 
Unler Privatfuhren darf man ſsſich aber nicht einen feinen Landauer denken. Es wurde 
meiſtens eine Einſpännerfuhre, gewöhnlich die des Fuhrmanns, der die Kohlen anfuhr, 
engagiert. Der wuſch dann seinen Wagen, legte 112 Bündel Stroh als Sitze auf, 
und die Chaiſe war fertig. 
Luſtig hallte das Posthorn durch die Neugasse, durch welche alle deutsche Poſtwagen 
ankamen. Der Postwagen, der meiſtens mit vier Pferden beſpannt war, und dem auch 
noch öfters ein Zweiſpänner-Beiwagen folgt, fuhren nach dem Postamt am Kirchenplat, 
wo der Wagen gereinigt und für die Weiterreiſe geſchmiert und in Ordnung gebracht 
wurde. Die Pferde try in den Slallungen der Poſthalterei, Hotel zur Poſt bei Zirx. 
später bei Guepratte, jezt Weinhandlung Purpur in der Wilhelm-Heinrichſtraße ein- 
geſtellt; dahin begaben sich auch die Passagiere zum Eſſen und Uebernachten. 
Der französiſche Poſtwagen war ein furchtbar ſchweres Monſtrum; er hatte noch 
eine obere Etage. war also, wie man hier auch sagte, „zweistöckig“ und war mit fünf 
schweren normanniſchen Schimmeln, welche Schellengeläute trugen, heſpaunt. 
Zunächſt fuhr der Poſtwagen nach dem Hauptgollamte, und zwar durch das obere 
Tor in den Hof, wo damals zwischen Haupt- und Hinterfahrt eine gedeckte Durchfahrt . 
LG LU E ch L 
Außer dieser ſchwerfälligen französischen Post, die zwischen Paris, bezw. Metz und 
Saarbrücken verkehrte, gab es noch. die sogenannte Meilposſt, einen zweisſpännigen Wagen, 
der zwischen Frankfurt a. M. und Paris fuhr; er beförderte keine Privatpassagiere, 
sondern war lediglich eine Staatskurierpoſt und eine Börsenpoſt für das Haus Rothſchild. 
Dieser Wagen war wegen ſseiner Schnelligkeit berühmt, denn er legte die Strecke 
pr Jrizte: a; M. in 4%14 Tagen gzurück. Für die damalligen Begriffe eine 
ansehnli eiſtung! j 
j n Ôij . noch die Poſt nach Trier und Kreuznach und die Reit- und Nothelfer- 
poſt, die jede Nacht punkt 12 Uhr nach Paris abging. Sie wurde von den Vorfahren 
zweier hier noch existierenden bekannten Famikien geritten, dan Stafettenkurieren 
RKemm und Traut. Ferner fuhr noch eine Karriolpoſt von Saarbrücken nach Heusweiler 
urv. Lebach. welche von dem bekannten Poſtillon, genannt „Luthe Chriſtian“ 
gefahren wurde. 
ttageſſen fuhr der 
  
Von der alten evangeliſchen Kirche zu St. Fohann. 
(Nach Mitteilungen von Pfarrer Reichard, Saarbrücken.) 
Bau der Kirche begonnen 4. April 1725, vollendet im Jahre 1727, wieder ein- 
kezéiht ap 1. i 1L18 brücke: Heft des rheiniſchen Verbands für Denkmalpflege 
und Heimatſchutz: „Vier Pläne hat zu dieſem Gotteshaus ein Werkmeister Bernhard 
Traboco gefertigt, und auch der Werkmeister Joſt Bayer von Wiesbaden ſcheint in irgend 
welcher Weise, vielleicht nur gutachtlich dabei beteiligt geweſen zu sein. Es werden 
. ihm wenigstens „vorgehabte bemühung und Reise nach Joſtein, den hieſigen Kirchenbau 
  
und Riß betreffend, 15 Fl. nach der St. Johanner Kirchenbaurechnung gereicht. 
(St. Johanner Neue Kirchenbaurechnung 1725 bis 1727 von Georg Ludwig Firmont, 
Bürger und Gerichtschöffen) So konnte am 19. Januar 1722 „dem Werkmeiſter 
Duminique Garoſsſe, Italienern und wohnhaft zu Ottweyler, mit hohem Vorwissen die 
Kirche, der Kirchturm mit Mauer und Steinhauerarbeit“ um 2500 Fl., ohne das für 
seine Frau ausgedungene Trankgeld von 10 Fl., verakkordiert werden, nachdem noch 
der Bildhauer Coraille ein Modell von der neuen Kirche in Erde hergestellt hatte. 
Die Zimmerarbeiten übernahm der Saarbrücker Paul Bucklisſch und der Ottweiler Meiſter 
Nikolaus Buntzel. Die Stukkateure Johann Adam Eyssen und Johann Greß fertigten 
die Stuck- und Gipsarbeiten. ; 
Die schöne Marmorkanzel, das einzige Schmuckstück der Kirche, dessen Ervichtung ein 
Beiſchuß der Regierung und Gräfin forderte, und den Altar. lieferte der Bildhauer 
Ferdinand Danal von Saarlouis, das immer noch, wie vorher schon, in diesſev Zeit 
die künſtleriſchen Kräfte nach Saarbrücken lieferte. Um die Kanzel herum malte dann 
  
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