Saarkalender für das Jahr 1924.
Dechant Prälat Dr. Ech e Imey e r : „Dem Engel des Friedens weihen wir das Haus, dem
Friedensgeiſt diene dieser Bau, dem Frieden der Seele, dem Frieden zwiſchen Gott
und Menſch, dem Frieden zwiſchen den [Ständen und den Völkern.“ Dechant Prälat
Subtil: „Gott segne alle. die in diesem Hauſe ein- und ausgehen.“ Bürgermeister
Dr. Neik es : „Fest, tveu und beständig“, Großkaufmann Arn old Beck er : „Alles
zur größeren Ehre Gottes.“ ~ Der nach dieſer Feier folgende riesenhafte Feſtzug bewegte
ſich zunächſt an Profeſſor Hauberiſssers /Rathausbau vorüber, auf deſſen Freitreppe die
Biſchöfe von Trikr und Speyer die Huldigungen der begeiſterten Massen entgegennahmen.
An dem Zuge beteiligten sich über 70 000 Personen, man zählte 375 Fahnen, 80 Muſik-
t.! 00 Trommlerkorps. Straßen und Plätze prangten in reichem Tannen- und Flaggen-
much.
s 'Später erſchienen die beiden Kirchenfürſten in neun Männer-, fünf Jugend- und
sechs Frauenversſammlungen und richteten unter stürmischem Beifall Gruß- und Dantes-
worte an die Menge. Im Saalbau begrüßte der Bürgermeiſtev Dr. N e ik es die
beiden Gäſte. Er rühmt von der Saarbevölkerung, sie sei zuverläsſig und treu. Die
Kirchenfürſten würden die Ueberzeugung gewonnen haben, daß sie ſich „komme, was
kommen mag“ auf die ſaarländiſchen Katholiken werlasſsſen könnten. Die Mauer, die die
katholische Bevölkerung errichtet habe, halte aus für alles, was dem Saarvolk noch
bevorſtehe. Der Bischof von Trier erwähnt die schweren Sorgen, die ihn bedrückt hätten.
Aber nun er gesehen, wie viele katholiſche Männer sich um ihren Hirten ſcharten, wolle
er dieſe Sorgen gerne iuund freudig tragen. Als er seine Rede mit den Worten schließt:
„Treue um Treue! Euer Biſchof hat den Schwur geleiſtet, Euch trew zu bleiben, und der
Treue der saarländischen Katholiken ist er gewiß!“, da durchbrauſt ein neuer, orkanartiger
Beifall den weiten Saal. Bewegt fügt der Bischof hinzu: „Jch danke Euch, ich weiß,
was Ihr Euch dabei gedacht habt!“ .
In sämtlichen Verſammlungen des Katholikentages wurden einſtimmig mehrere Ent-
ſchließungen angenommen, ſo auch über den Völkerfrieden und über das Betenntnis
zu den Heimatdiözeſen. In letzterer heißt es u. a.: „Wir beteuern es feierlich vor der
ganzen Welt, daß wir, wie in der Vergangenheit, so auch in aller Zukunft mit unseren
Mutter- und Heimatdiözeſen unzertrennlich und treu vereinigt bleiben wollen . . . Für
uns saarländiſche Katholiken . . . kann es nächſt dem Gebet um Gottes Schutz und
Führung in dieser, für das kizchliche Leben des Saargebiets so höchſt wichtinen Frage
nur die eine Löfung geben, Tr EU e um Treue.
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Die Weihe der kath. Pfarrkirche in St. Fohann
(s. Fanuar ]758).
Von Hermann Joſef Becker.
ie Sonne hatte den ganzen Tag über auf den wogenden Menſchensſtrom herab-
geſchaut, der sich ohne Unterlaß durch die weiten Großſtadtſtraßen hinzog. Jetzt
legte sie allgemach den Purpurmantel des Abends um und bediente ſich dabei als
Spieglein des Giebelfensters im Hauſe der Jungfer Bruch. So pflegte sie es ſeit
mehr als hundert Jahren zu tun, und immer wieder strahlte das behäbige Fenſter
von neuem im Glanze des Sonnengoldes, bis auch dieſes, einem tändelnden Spiele
gleich, nach und nach über die Dächer der altersgrauen Häuſer entglitten war.
Derweil schoben und drängten sich die geschäftigen Menschen drunten im Gewühle der Straßen,
als seien sie von der ewigen Unraſt gepackt. Wenigen nur war von dem Sonnengold auch etwas
in das Herzinnere eingedrungen, die anderen hatten eben keine Zeit gehabt, beim königlichen
Aufzug der Sonne zu huldigen. Sie klagten allenfalls um die drückende Abendſchwüle und
trockneten den Schweiß vom freudloſen Angeſsicht. ; /
Ich kam mir plötzlich vor wie ein aus dem großen Menſchenmeere losgelöſtes Tröpflein,
das sich auf die Inſel der Seligen verschlagen hatte. Es iſt auch in der Tat eine Insel der
Seligen, auf der ich mich befand, eine Totenſstätte seit undenklichen Zeiten. Die hat ſelbſt der
neuzeitliche Verkehr geflissentlich umgangen, trotzdem die Lebenden eigens Straßen und Plätze
darüber hinwegführten. Sie wollten die Spuren verwiſchen, daß wir sſo nahe dem Tode wohnen,
aber der Ort hat ſich gleich einer Friedensinsel ganz außerhalb des Menſchengewühles gehalten
_ und ſeinen Schläfern ihr Recht behauptet.
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