Full text: 1.1923 (0001)

Saarfalender für das Jahr 1923 
Zugleich mit dieſer erfreulichen Entwicklung ſahen wir eine Reihe jüngerer ſaarländiſcher Rräfte 
auf den Plan treten, die ſich bereits einen feſtgegründeten Ruf geſchaffen oder doh zum Teil dur<h 
ihr Talent zu ſchönen Hoffnungen berechtigen. I< nenne Paul, Schondorff, der nah ſeinen 
Studien in Karlsruhe und Paris in Dachau lebt. Er iſt ein bekannter Zeichner und Illuſtrator, 
u. a. langjähriger Mitarbeiter des „Simpliziſſimus“. H. Keuth lebt in Saarbrücken in gefeſtigtem 
Ruf als Maler und Radierer. Seine Bilder, von denen auc<h dieſes Buch eine Anzahl bringt, 
zeigen mit Vorliebe heimatliche Motive. Sriß Grevenig erhielt feine Ausbildung durch Prof. 
Sterl- Dresden. Seine Kunſt zeigt eine eigene Note, ſeine Bilder zeichnet farbenfreudiger Sinn aus. 
Rich. Wenzel wird wegen ſeiner Kohlezeihnungen geſchätzt. Don ſeinen Velgemälden erſcheinen 
mir die beſten „Stierkampf“ und „Kreuzigung“. Frau Adele Margraff-Sulzbah, die in Saar- 
brücken wiederholt ausgeſtellt hat, fand mit ihren Landſchoften viel Anerkennung. Louis Walter, 
Schüler von Corinth, gilt als ſtarkes Talent. Seidel-Saarlouis, gern geſehen als Paſtellmaler, 
der mit Vorliebe Hunsrücklandſchaften zu farbenfroher Darſtellung wählt. Chriſtian Woytt, 
Maler der Moſellandſhaften und beligbt durc den feinſinnigen Humor, mit dem er ſeine lokal- 
hiſtoriſchen Bilder zu ſhmücken weiß. In unſerem Kalender iſt er diesmal leider nur mit einer kleinen 
Zeichnung, der Heckerfahne des 48er Turnvereins, vertreten. An dieſer Stelle muß auh Aug. Rupp 
genannt werden, ein künſtleriſch empfindender und ruhelos ſchaffender Geiſt, deſſen kunſtphoto- 
graphiſche Aufnahmen ich in allen ausländiſchen Zeitſchriften begegne. Eine Runſtbeilage dieſes 
Bücleins zeigt ſein Können, das namentlich in der Schweiz und in England Verehrer findet. 
Die ſaarländiſche Bildhauerkunſt iſt heute vornehmlich durc Sri Claus vertreten. Er ſtudierte 
zunächſt in Paris bei Bartholome, dann bei Dolz in Karlsruhe. Die Bauplaſtik am neuen Land- 
gericht iſt ſein Werk. Die großen Galerien in Düſſeldorf, Mannheim, Münden uſw.'beſißen von ihm 
hochwertige Arbeiten. Porträtbüſten, Grabdenkmäler (Waldfriedhof in Münden) gelten als ſeine 
beſondere Stärke. Die Kunſtzeitſhrift „Seuer“ widmete Claus, der in Mündhen wohnt, einen 
Artikel voll hoher Anerkennung. Zu erwähnen wäre noh A. Kuhn (1878 in Ueunkirdhen geb.), 
er hat ſein Können wiederholt in Saarbrücken gezeigt; von ihm ſtammen u. a. das Peſtel-Denkmal, 
der Brunnen in der Luiſenanlage und in unſerer Umgebung der Jubiläumsbrunnen in St. Wendel. 
Möge die verheißungsvoll einſezende Blüte deutſher Kunſt im Saarrevier der Seiten Ungunſt 
überdauern und in ſchöneren, ruhigeren Tagen zur vollen Entfaltung gelangen. 
WZ 
Ein wurf 
Etwas über die LeibeSübungen im Saargebiet. 
Von Ludwig Bruch. 
Nicht wurzeln, wo wir ſtehen, 
nein, weiterſchreiten ! 
Wenn dieſer Ausſpruch Guts Muths8, des klaſſiſchen Förderers der deutſchen Turnkunſt, für 
alle auf die körperliche und geiſtige Ertüchtigung unſeres Volkes gerichteten Beſtrebungen heute 
doppelt Geltung hat, weil die Pflege der Leibe3übungen nicht nur ein Zeichen kulturellen Hoch- 
ſtandes, ſondern auch im gegenwärtigen Zeitpunkt ein Quell der Wiedergeburt für das durch 
ſeeliſche und ſoziale Nöte zermürbte Deutſchland iſt, ſo gilt er dreifach für die Turn- und Sport- 
bewegung in den deutſchen Grenzbezirken. In dieſen, von vielfachen Gefahren bedrohten Poſitionen 
gilt es wie nirgends ſonſt, unverfälſchtes Volkstum hochzuhalten, deutſches Weſen zu pflegen, 
damit der deutſche Menſc<h nicht wurzellos in ſeinem eigenen Heimatboden wird. 
Echtes Volkstum aber wurzelt in den deutſchen LeibeSübungen. Nicht nur Körper und Kraft 
gilt es zu ſtärken und zu ſtählen, darüber hinaus ringen wir um die ſittlichen Güter der Menſchheit, 
die ewig und immerdar währen, um den ungebeugten Mut, der die Pforte zur Zukunit iſt, um 
Frohſinn und Freude, um ein Jdeal in dieſer idealloſen Zeit. Es möchte zwar jo ſcheinen, als 
ob in dieſen Worten etwas Uebertreibung liege. Wer aber jemals erfüllt worden iſt von der 
Hingabe, wie ſie die Volksſache der LeibeSübungen fordert, wer jemals den großen Gedanken in 
ſeiner Tiefe erfaßt hat, geiſtig, ſeeliſch, körperlich hinaufzuwachſen in der Gemeinſchaſt Gleich- 
geſinnter und Blut8verwandter, der weiß, daß im Kampf und Spiel der Jugend, im Streben der 
„Alten“ mehr liegt, als das, was an der Oberfläche ſichtbar iſt. 
Ln ane 
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