Full text: Entnazifizierung in Rheinland-Pfalz und im Saarland unter französischer Besatzung von 1945 bis 1952

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tion drohte - ohne Nutzen für die Militärregierung (les brimades qui ne sont pas pa- 
yantes doivent etre evitees) -, hätte andererseits eine Entnazifizierung der Unterneh 
merschaft vor allem einen positiven psychischen Effekt auf die deutsche Bevölke 
rung 22 . Baumont schlug daher ein abgestuftes Vorgehen vor. Zuerst sollte das Füh- 
rungs- und Leitungspersonal in den wichtigsten Betrieben entnazifiziert werden. 
Diese Maßnahmen sollten rasch abgeschlossen werden, um den Wiederaufbau nicht 
zu lange zu behindern: II etait necessaire, en effet, de mettre fin ä de longues incer- 
titudes, source de marasme economique ... L'economie allemande ne pourra repren- 
dre une veritable activite que quand tous sauront ä quoi s'en tenir sans sentir tou- 
jours peser sur eux de lourdes menaces 23 . Als wichtigste Betriebe sollten die Firmen 
gelten, die mehr als 50 Personen beschäftigten oder gegen Kriegsende einen Kapi 
talstand über 500.000 RM besaßen 24 ; für landwirtschaftliche Unternehmen sollten 
andere Kriterien gelten. Damit wollte Baumont der Wirtschaftsstruktur der französi 
schen Zone gerecht werden und ausschließen, daß zu viele Firmen - zum Beispiel im 
Handwerksbereich - der Entnazifizierung entgingen 25 . 
Bei der Zusammensetzung der deutschen Entnazifizierungorgane wurden zwei Mo 
delle diskutiert: betriebsinteme oder Vertreter gesellschaftlicher Gruppen einschlie 
ßende Ausschüsse. Das erste Modell trug der Sorge Rechnung, daß durch betriebs 
fremde Mitglieder politische Konflikte in die Betriebe hineingetragen werden könn 
ten, die die Produktion gefährden würden. Zugespitzt formuliert, würden die Natio 
nalsozialisten durch Kommunisten ersetzt werden: On eliminerait les nazis par les 
communistes, ce qui, sans doute, garantirait davantage l’elimination des nazis; mais 
ä quel prix? Für das andere Modell sprach die Sorge um den sozialen Frieden: Durch 
die Einbindung der Arbeitervertreter sollten Streiks vermieden werden 26 . Bis Ende 
Oktober arbeiteten Baumont und Amal in Abstimmung mit den verschiedenen Ab 
teilungen der Wirtschaftsdirektion und in Absprache mit Curial die Entnazifizie 
rungsdirektive für den Wirtschaftsbereich aus 27 . 
22 Ebd.; Dönazification, 29.11.1945 (Anm. 12). 
23 Ebd. 
24 Für die ZFO rechnete die Militärregierung mit folgender Untemehmensstruktur: 85 Unternehmen mit 
mehr als 1.000 Arbeitnehmern, 700 zwischen 200 und 1.000 Arbeitnehmern, 2.300 zwischen 51 und 
200, 10.000 zwischen II und 50, 16.000 Unternehmen zwischen 6 und 10 und 330.000 Unternehmen 
mit weniger als 6 Arbeitnehmern; ebd. 
25 In der amerikanischen Zone galten als Grenzwerte 250 Arbeitnehmer oder ein Kapitalbestand über 
1.000.000 RM; Rapport, 16.10.1945 (Anm. 6). Hierzu: Lacroix-Riz, Annie; La denazification 6cono- 
mique de la zone d'occupation americaine: la perception fran^aise du phenomene, in: Revue historique 
283 (1990), S. 303-347. 
26 Baumont erwähnte einen Streik von 600 Arbeitern, die in ihrem Betrieb den Beginn von Entnazifizie 
rungsmaßnahmen gefordert hatten; Baumont, 5.9.1945 (Anm. 10). 
27 CCFA/CAB/C 2516: Laffon an die Ddldgu^s Sup^rieurs, 31.10.1945; AOFAA DGAP c.3306 p.U5. 
Siehe das Kapitel C.1.2.
	        

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