Full text: Entnazifizierung in Rheinland-Pfalz und im Saarland unter französischer Besatzung von 1945 bis 1952

66 
arbeiten, damit die Entnazifizierung schnell beendet werden könne. Dies entsprach 
auch dem ausdrücklichen Wunsch der Regierungspräsidenten, die über zunehmende 
Unruhe in der Beamtenschaft berichteten. Die Militärregierung sagte zu, daß beim 
Fehlen einer qualifizierten und politisch unbelasteten Ersatzkraft der zuvor entlas 
sene Beamte im Angestelltenverhältnis mit monatlicher Kündigungsfrist weiterbe 
schäftigt werden könne; seine Vorgesetzten wären dann aber für sein weiteres Ver 
halten persönlich verantwortlich 41 . Vierzehn Tage später gab Boden das Ergebnis der 
Besprechung auf einer Landrätekonferenz bekannt und erließ die Richtlinien über die 
Säuberung der Verwaltung von Nazieinflüssen 42 . Gouraud beauftragte die Securite 
Publique mit der Kontrolle der einzelnen Maßnahmen. Alle Entscheidungen über 
Entlassungen, Versetzungen und Rückstufungen sollten von der dafür zuständigen 
deutschen Stelle ausgesprochen werden 43 . 
Mitte September 1945 zeigte sich der inzwischen zum Delegue Superieur ernannte 
Gouraud mit der bisher geleisteten Arbeit zufrieden: En resume, on peut dire que le 
travail d'epuration, qui s'etait effectue au debut de l'installation des Detachements de 
GM d'une fagon quelque peu incoherente, s'unifie quant ä la methode et au degre de 
rigueur d'appliquer ä la suite des mesures qui viennent d'etre prises 44 
Der Stand der Entnazifizierung am Ende der 1. Phase ("Epuration SHAEF") 
Das statistische Material zur 1. Phase der Entnazifizierung in der ZFO kann nur sehr 
eingeschränkt verwendet werden. Der Militärregierung lag nur unvollständiges Zah 
lenmaterial über die Säuberungsmaßnahmen der ersten Monate vor; teilweise fehlten 
die Angaben völlig 45 . Die Problematik der Angaben kann am Beispiel der Tabelle 6 
aufgezeigt werden. Rheinland-Hessen-Nassau steht bei der Prozentzahl der unter 
suchten Fälle mit über 80% an erster Stelle. Es zeigt sich jedoch, daß die Zahl der 
Beschäftigten verhältnismäßig gering angegeben worden war (zum Vergleich: Ta 
belle 18 im Kapitel C.8.I.), d.h. nur relativ wenige Personen bisher überhaupt den 
Fragebogen erhalten hatten. Die Entnazifizierung war hier anscheinend in der Ver 
waltungshierarchie von oben nach unten verlaufen; daher auch die hohe Prozentzahl 
an Entlassenen. 
Trotzdem können regionale Unterschiede und Schwerpunkte bei der Entnazifizierung 
festgestellt werden. Überall wurde die Entnazifizierung der technischen Bereiche 
(Post) zunächst vernachlässigt und der Schwerpunkt auf die sensiblen Bereiche In 
nere Verwaltung, Justiz und Erziehungswesen gelegt. Teilweise wurden die Betrof 
41 Ebd. 
42 Boden an Oberbürgermeister und Landräte, 6.9.1945; LHA KO 469/107 (mit einem Dienststempel ver 
sehen, dessem Reichsadler die Füße (Hakenkreuz!) abgeschnitten worden waren). Polizeipräsident Bie- 
sten gab die Anweisungen am 9. Oktober 1945 an seine Abteilungen weiter; AOFAA RP c.1068 p.6a. 
43 GMRH/Det. E 42/ADM 803: Gouraud: Note de Service, 27.8. u. 6.9.1945; AOFAA RP c.1089 p.30. 
44 GMRH: Rapport, 10.9.1945; AOFAA CC POL III G 1 p.37. 
45 CCFA/CAB: "Epuration du personnel allemand. Rapport G6n6ral", 31.12.1945; AOFAA DGAP c.233 
p.52 d.2. Verwendete Abkürzungen: R-H-N = Rheinland-Hessen-Nassau, Wü-Ho = Württemberg-Ho- 
henzollem, Innen = Innere Verwaltung, Erzieh = Erziehungswesen, Summe = Summe aller Bereiche; 
Prozentangaben stammen vom Autor.
	        
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.