Full text: Entnazifizierung in Rheinland-Pfalz und im Saarland unter französischer Besatzung von 1945 bis 1952

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Dem Fratemisierungsverbot der angloamerikanischen Streitkräfte standen die fran 
zösischen Militärs eher skeptisch gegenüber, auch wenn General de Lattre de Tassi- 
gny Ende April 1945 die Beachtung dieser Vorschriften anmahnte: II importe de 
mettre immediatement un terme ä cette attitude qui traduit une faiblesse coupable 
envers un peuple dont nous decouvrons chaque jour de nouvelles preuves de cruaute 
ä l'egard de nos prisonniers 37 . General Bouley schlug im Juli 1945 vor, die gelten 
den Regeln an die tatsächlichen Gegebenheiten vor Ort anzupassen, faire place ä des 
regles moins strictes que celles suivies jusqu'ici qui ne correspondent plus ä 
l'evolution actuelle de la Situation 38 . 
Die Demokratisierung Deutschlands 
Der in den angloamerikanischen Kreisen vorherrschende Optimismus über die Mög 
lichkeiten einer "Reeducation" des deutschen Volkes wurde von den Vertretern des 
negativen Deutschlandbildes nicht geteilt. Für eine erfolgreiche Sicherheitspolitik 
wurden vielmehr ökonomische und militärisch-politische Maßnahmen für notwendig 
erachtet. Dejean betrachtete Umerziehungsmaßnahmen nur als Beiwerk: Mais ces 
mesures ne peuvent produire leur effet qu'ä longe echeance et ne seront pendant 
longtemps qu'un element accessoire. Ce qui importe, pour plusieurs decades, c'est 
mettre l'Allemagne hors d'etat de nuire, et ceci par des garanties d'ordre militaire et 
economique 39 
Auch im Kabinett des General Koenigs gab es Berater, die einer aktiven Demokrati 
sierungspolitik wenig Bedeutung beimaßen. Einer von ihnen bemerkte, es käme vor 
allem darauf an, die Deutschen zu kontrollieren und zu verwalten: Creer dans cha- 
37 16re Armee Frang./EM/5e Bureau: Note de Service, 23.4.1945; AOFAA SEAAA 2 c.2669 p.4. Siehe 
auch die Geschichte des Umerziehungsfilmes "Todesmühlen", mit dem versucht worden war, die Ver 
brechen in den Konzentrationslagern der deutschen Öffentlichkeit bewußt zu machen: Chamberlin, 
Brewster S.: "Todesmühlen". Ein früher Versuch zur Massen-"Umerziehung" im besetzten Deutsch 
land 1945-1946, in: VfZ 29 (1981), S. 420-436. 
38 Bouley, 24.7.1945 (Anm. 20). Auch General Billotte äußerte sich zur selben Zeit kritisch über den Sinn 
dieses Verbotes: Les Fran^ais sont... peu dociles aux consignes de non-fratemisatiorv, GMRH: Gene 
ral Billotte an Koenig, 29.7.1945; AOFAA CC POL III G 1 a, abgedruckt in: Quellen zur Geschichte 
von Rheinland-Pfalz während der französischen Besatzung März 1945 bis August 1949/bearb. von 
Peter Brommer. Mainz 1985 (zitiert: BROMMER), S. 38ff. Siehe auch: CCFA/CAB/C 1124: Laffon 
an die Ddl6guds Supdrieurs, 1.2,1947; MAE Y 1944—49 d.439/272f. Im Juni 1950 meldete das Vertei 
digungsministerium in Paris eine stark angestiegene Zahl von Heiratsgesuchen ehemaliger Besatzungs 
soldaten mit deutschen oder österreichischen Frauen. Ursache war die allmähliche Reduzierung der Be 
satzungstruppen und ihre Zurückbeorderung nach Frankreich. Der Hohe Kommissar Fran^ois-Pon^et 
schlug vor, daß eine Einstufung der betreffenden weiblichen Person oder einer ihrer Eltern im Entnazi 
fizierungsverfahren als "Hauptschuldige" oder "Belastete" zu einer Ablehnung des Heiratsgesuchs füh 
ren müsse; bei Minderbelasteten sei eine ausführliche Untersuchung notwendig: Ddf.Nat./Secr. d'Etat 
aux Forces Armees "Guerre" an das MAE/Europe (ä l'attention de M. Sauvagnargues), 15.6.1950; 
HCAA/DGAP: Andre Francois-Poncet an den kommandierenden General der Besatzungstruppen in 
Deutschland u. an MAE/Europe, 21.6. u. 7.7.1950; MAE Z EU/Allemagne 1949-1955 d.l94/95f u. 
101 ff. 
39 Dejean, 21.8.1944 (Anm. 7).
	        
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