Full text: Entnazifizierung in Rheinland-Pfalz und im Saarland unter französischer Besatzung von 1945 bis 1952

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3. Internierungen in Rheinland-Pfalz 
3.1. Die Internierungslager in der Pfalz und in Rheinland-Hessen-Nassau 
1945 bis 1947 
Die französische Militärregierung fand bei der Übernahme des Besatzungsgebietes 
eine chaotische Situation vor. General Billotte berichtete im Juli 1945 nach Baden- 
Baden, daß in den von der US-Armee übernommenen Lagern die verschiedensten 
Personen interniert und kaum Unterlagen vorhanden gewesen waren: Les SS etaient 
melanges aux autres prisonniers ... et de nombreux civils se trouvaient parmi les pri- 
sonniers militaires, ainsi que des enfants dont certains etaient äges de 8 ans. Quel 
ques femmes se trouvaient dans des camps ä part. Une grande partie de ces prison 
niers, sous-alimentes, se trouvent dans un etat de misere physiologique inquietant. 
Die Militärregierung ließ umgehend Kinder, Schwerkranke und zahlreiche Frauen 
frei und trennte Kriegsgefangene von politisch Internierten 1 . Sie nahm allerdings 
auch Verhaftungen "verdächtiger" Personen und von NS-Aktivisten vor 2 . Am 
15. Dezember 1945 befanden sich in den Lagern in Rheinland-Hessen-Nassau 3.761 
Internierte 3 . Einzelne Freilassungen konnten zwar nicht auf offiziellem Wege, aber 
durch persönliche Vorsprache erreicht werden: Erfahrungsgemäß hat ein Gesuch um 
die Freilassung eines politischen Gefangenen kaum Aussicht auf Erfolg. Fast re 
gelmäßig haben Pfarrer, die sich persönlich beim Lagerkommandanten für die 
Entlassung eines Pfarrkindes einsetzten, ihr Ziel wirklich erreicht 4 
Das Lager Idar-Oberstein wurde zuerst vom 2 e Bureau des 2. Armeekorps unter Bri 
gadegeneral Callies verwaltet, später wurde es von der Sürete übernommen. Im Juli 
1945 befanden sich in diesem Lager etwa 4.000 Personen, arretees pour des motifs 
divers, wie die Militärregierung feststellte 5 . 1946 wurde das Lager aufgelöst. In 
Rheinland-Hessen-Nassau gab es danach nur noch das Lager Diez (Ortsteil Freien 
diez), in dem sich im November 1946 ungefähr 3.500 Häftlinge - überwiegend ehe 
malige hohe Parteibeamte - befanden 6 . In der Pfalz bestanden bis Mitte 1946 zwei 
Internierungslager: die Fort-Kaserne in Landau und das Lager Wörth. Beide Lager 
1 GMRH: Billotte an Laffon, 29.7.1945; BROMMER, S. 38ff„ hier S. 47. Siehe auch: GMRP/EPU: 
"Rapport sur la dönazification", 23.9.1947; AOFAA DGAP c.233 p.51. 
2 Hierzu: ldre Armde Fran<j./5e Bureau/GM du Palatinat: Lt-Col Thomazo: "Rapport Hebdomadaire", 
17.-23.6.1945; MAE Y 1944-49 d.433/95ff„ u. die Landratsberichte aus dem Regierungsbezirk 
Koblenz vom August/September 1945: LHA KO 441/45357/67-75, 27-29, 59-65 u. 136-140. 
3 CCFA/SUR, 14.1.1946; AOFAA DGAP c.232 p.47. 
4 BO Speyer: Generalvikar Haußner an das katholische Pfarramt in Lauterecken, 5.2.1946; BSTA SP 
12/4a. 
5 Rapport, 23.9.1947 (Anm. 1), u. Callies: Note de Service, 25.8.1945; AOFAA RPP c.2318 p.6a. Das 
Lager lag in Algenroth bei Idar-Oberstein. 
6 Hierzu: GMRH: "Rapport mensuel", Juli 1946; AOFAA DGAP c.233 p.56, u. der Lagebericht des Re 
gierungspräsidenten Sommer an Boden, 27.7.1946; BROMMER, S. 182-190, hier S. 185; 
"Rheinischer Merkur" Nr. 71/46 (15.11.1946), S. 5.
	        
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