Full text: Entnazifizierung in Rheinland-Pfalz und im Saarland unter französischer Besatzung von 1945 bis 1952

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politisch gering belastete Internierte freizulassen 43 . Die Kritik aus Paris kam zu spät. 
Die Akten der minderbelasteten Internierten waren bereits zusammengestellt und 
1.191 von ihnen inzwischen freigelassen worden. Koenig ordnete an, daß alle nicht 
als Hauptschuldige oder Schuldige geltenden Personen bereits vor der 
Spruchkammerverhandlung freigelassen werden sollten. Der positive Effekt auf die 
Öffentlichkeit sollte der Militärregierung zugute kommen: Pour des raisons 
d'opportunite politique, il parait preferable de mettre fin ä leur internement avant le 
prononce du jugement, par un acte d'initiative du Gouvernement Militaire 44 
Schneiter war zwar mit den angeordneten Maßnahmen zufrieden, forderte aber um 
fangreiches statistisches Material, um die weitere Entwicklung besser kontrollieren 
zu können 45 . Auf der Konferenz der Entnazifizierungsoffiziere am 4. November 1948 
in Baden-Baden konnte für die einzelnen Länder der französischen Zone folgendes 
Zahlenmaterial vorgelegt werden: Von den 6.403 inhaftierten Personen im Januar 
1948 hatten sich am 1. Oktober 1948 nur noch 1.075 in den Lagern befunden; zwi 
schenzeitlich waren 6.082 Personen freigelassen und 754 neu verhaftet worden 46 . 
Zu Weihnachten 1948 gewährte Koenig den Ländergouvemeuren das Recht, 15% 
der Lagerinsassen fünf Tage Hafturlaub zu gewähren 47 . Im Januar 1949 meldete er 
Schneiter, daß die Internierungslager in Baden und Württemberg aufgelöst worden 
waren und sich nur noch in Rheinland-Pfalz 250 Internierte befänden. Dieser Rück 
stand sei durch das Fehlen von Intemierten-Untersuchungsrichtem entstanden, die 
vom Justizministerium in Paris zu früh zurückbeordert worden waren: ... de ce fait, 
de nombreuses commissions rogatoires sont demeurees en suspens, les dossiers des 
detenus n'ont pu etre constitues et les Spruchkammern n'ontpas encore ete saisies de 
leur cas. Koenig bat darum, den Untersuchungsrichter Roux für weitere drei Monate 
behalten zu dürfen - dann könne das Kapitel der Internierungslager auch in Rhein 
land-Pfalz abgeschlossen werden 48 . 
43 MAE/SEAAA/POL (Sigel "JM"): Morin an Bidault, 27.2.1948; MAE/SEAAA/POL 1985: Schneiter an 
Koenig, 16.3.1948; AOFAA SEAAA 1/3 p.22. 
44 CCFA/DGAA/INT/DENAZ 197: Koenig, 9.4.1948; AOFAA DG AP c.3306 p.l 15. Secretaire General 
Gromand unterrichtete Schneiter am 7. Mai über die angeordneten Maßnahmen (CCFA/AACS/INT/ 
DENAZ 114); AOFAA DGAP c.1675 p.73. 
45 MAE/SEAAA/POL 2288 u. 3324: Schneiter an Koenig, 29.5. u. 26.10.1948; AOFAA DGAP c.3302 
p.88 d.2 u. p.91 d.l. 
46 CCFA: "Reunion des chefs de Service denazification", 4.11.1948; AOFAA CC POL III E p.36. 
47 CCFA/CC/CAC/POL 393: Koenig an die Ländergouvemeure, 22.12.1948; AOFAA DGAP c.233 p.51. 
48 CCFA/CC/SG/AACS/INT/DENAZ: Koenig an Schneiter, 19.1.1949; AOFAA DGAP c.3302 p.91 d.l.
	        

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