Full text: Entnazifizierung in Rheinland-Pfalz und im Saarland unter französischer Besatzung von 1945 bis 1952

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Beispiel zur Förderung separatistischer Bewegungen 2 - mißbraucht. Hierfür fehlte 
die Unterstützung seitens der Militärregierung. 
Die Gouverneure entwickelten in ihren Ländern Eigeninteressen und hintertrieben 
ihnen unangemessen erscheinende Forderungen Laffons; es entstanden oft Koalitio 
nen mit der deutschen Verwaltung gegen Baden-Baden ("Prokonsuleffekt" 3 ). Die 
Entnazifizierungsoffiziere führten einen stetigen Kampf mit den anderen Dienststel 
len der Militärregierung, die oft versuchten, die Durchführung der Sanktionen in ih 
rem Bereich zu verhindern. Die institutioneile Hervorhebung des Service Epuration 
in Baden-Baden wurde nur in Rheinland-Hessen-Nassau nachgeahmt; in den anderen 
Ländern bildete er eine Unterabteilung der Verwaltungsdirektion und befand sich 
damit in einer abhängigeren Position. 
Das Verfahren und die Ergebnisse der Entnazifizierung waren vom Spannungsver- 
hältnis zwischen Militärregierung und deutscher Verwaltung einerseits und der Zu 
sammenarbeit zwischen den politischen Parteien, der Verwaltung und den Entnazifi 
zierungsorganen andererseits bestimmt. Ein eher "unpolitisches" Verwaltungsverfah- 
ren bestand im Saarland. Die Leitung der Entnazifizierung wurde auf saarländischer 
Seite dem Personalbüro des Regierungspräsidiums beziehungsweise später der Ver 
waltungskommission übertragen. Der im April 1946 eingerichtete Conseil Politique 
(CSE) entwickelte sich zwar zur obersten Verfahrensinstanz, unterstand jedoch di 
rekt der Militärregierung. Deren enge Kontrolle ließ kaum Freiräume zu, die aller 
dings von der saarländischen Seite auch nicht eingefordert wurden. 
Anders die Situation in Hessen-Pfalz. Die Parteien konnten nur über den politischen 
Ausschuß beim Oberregierungspräsidium versuchen, direkten Einfluß auf die Entna 
zifizierung zu nehmen. Ihre Vertreter in den ZSK und im Conseil Politique (PSR) 
fühlten sich zum großen Teil als eigenverantwortliche Mitglieder. Dies zeigte sich 
Ende 1946, als fast alle Parteien auf eine deutliche Distanz zum bestehenden Verfah 
ren gingen, während die Organe weiterarbeiteten. An der Spitze der Entnazifizierung 
stand der parteilose Oberregierungsvizepräsident Koch. Er wurde in seiner Tätigkeit 
vom Service Epuration in Neustadt unterstützt, der zwar effektiv arbeitete, aber Koch 
viel Freiraum ließ. Koch baute eine straffe Entnazifizierungsorganisation auf, mit der 
versucht wurde, die politische Säuberung über die parteipolitischen Interessen hin 
weg konsequent durchzuführen. Koch achtete dabei - trotz aller Kritik des Service 
Epuration in Neustadt - auf die Belange der pfälzischen Verwaltung. In der Pfalz 
konnte dabei, wie auch im Saarland, auf bestehende Infrastrukturen zurückgegriffen 
werden. 
In Rheinland-Hessen-Nassau dagegen zeichnete sich die deutsche Verwaltung durch 
ein ausgeprägtes Desinteresse an der Entnazifizierung aus. Erst sehr spät verbesserte 
die Militärregierung durch die Einrichtung des Dreierausschusses die Situation. Trotz 
seines guten Willens gelang es diesem aber nicht, sich - ohne ausreichende Unter 
stützung durch die Parteien - wirksam gegen den hinhaltenden Widerstand der Ver 
2 Dieser Vorwurf wurde vor allem gegen die pfälzischen Entnazifizierungsorgane erhoben. Dagegen 
spricht u.a., daß führende Mitarbeiter von der späteren Landesregierung, die den "pfälzischen Separa 
tismus" auf schärfste bekämpfte, in die neuen Spruchkammerorgane übernommen wurden. 
3 Hudemann, in: Baden-Württemberg, S. 23.
	        

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