Full text: Sozialpolitik im deutschen Südwesten zwischen Tradition und Neuordnung 1945-1953

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Wirtschaftsaufschwung und die Nachfragesteigerung weitgehend neutralisiert bzw. 
kompensiert, auch wenn Preisüberwachungsmaßnahmen seit 1931 eingeleitet waren 
und mit der Zerschlagung der Gewerkschaften und der Einrichtung der „Treuhänder 
der Arbeit“ 1933 das Steigen der Tariflöhne gebremst wurde. Mit dem verstärkten 
Anlaufen des Wehraufbaus wurden die Inflationstendenzen jedoch 1936 offen durch 
einen Preis- und 1938 auch durch einen Lohnstop staatlicherseits künstlich abgefan 
gen.Da dieses System der zurückgestauten Inflation nicht nur die Arbeitslosigkeit 
beseitigt hatte, sondern auch die sozialen Kosten der Wirtschaftspolitik in Grenzen 
zu halten schien, ist es auch in der Wirtschaftswissenschaft vielfach auf Zustimmung 
gestoßen. 20 Die Wirkung war - und damit ist die Problematik der Besatzungszeit 
berührt - insofern erheblich, als der Bevölkerung die Folgen dieser Wirtschafts- und 
Finanzpolitik nicht nur zunächst verborgen blieben, sondern sie ihre volle Wirkung 
in der Tat auch erst nach dem Zusammenbruch entfaltete. Wilhelm Röpke hat aus 
fast kämpferischer neoliberaler Position 1947 in der zurückgestauten Inflation „one 
of the keys to the understanding of the present catastrophe of Europe“ gesehen, 
nachdem auch die meisten anderen kriegführenden Staaten das System während des 
Krieges in mehr oder weniger ausgeprägter Form angewandt hatten. 21 
Die zurückgestaute Inflation stand in engem Zusammenhang mit dem Versuch 
verstärkter Einführung zentralverwaltungswirtschaftlicher Elemente. Sie 
bildeten einen weiteren wesentlichen institutioneilen Faktor bei der Intensivierung 
der Rüstungs- auf Kosten der Konsumgüterindustrie und stellten damit zugleich * 25 
Sicht s. zusammenfassend, mit Nachweis der älteren Literatur, die Beiträge in: Währung und 
Wirtschaft, in scharfer Kritik an der Politik Brünings und der Reichsbank darin Irmler, 
Bankenkrise, sowie in Betonung der sozialen Errungenschaften der nationalsozialistischen 
Politik Albers. Zur Arbeitsbeschaffungspolitik s. im übrigen fast die gesamte wirtschaftsge 
schichtlich orientierte Literatur zum „III. Reich“ (vgl. oben Anm. 5), darunter Barkai, 
Wirtschaftssystem, S. 125 ff.; Frei, Die theoretischen Grundlagen; theoriebezogen: Bresci- 
ani-Turroni, Einführung, S. 200 ff. Geraffter Überblick zur Wirkung der Weltwirtschafts 
krise auf die Entwicklung des Staatsinterventionismus im internationalen Vergleich (USA, 
Großbritannien, Japan, Frankreich, Deutschland) bei Karl Erich Born, Government Action 
against the Great Depression, in: van der Wee (Hg.), The Great Depression, 
S. 45-58; vgl. auch Mark Eyskens, The Influence of the Great Depression on Economic 
Theory, in: ebd., S. 24-42. 
Preisstopverordnung vom 26. 11. 1936, RGBl. 1936 I, S. 955, und Lohnstopverordnung vom 
25. 6. 1938, RGBl. 1938 I, S. 691. Bezeichnenderweise spielt die Lohnpolitik in dem anson 
sten sehr nützlichen Kompendium des Präsidenten der Reichsanstalt für Arbeitsvermittlung 
im „Dritten Reich“, Friedrich Syrup, Hundert Jahre staatliche Sozialpolitik, so gut wie keine 
Rolle. Vgl. u. a.: Frei, Die theoretischen Grundlagen, S. 65 ff., Kritik S. 150 ff.; Erbe, 
Wirtschaftspolitik, S. 83 ff.; Mason, Sozialpolitik, S. 137 ff. 
Als ein Beispiel unter vielen siehe dazu Erich Preiser, Der Begriff des Preisniveaus und 
das Problem der Kaufkraftstabilisierung (1943), wieder abgedruckt in: ders., Bildung, 
S. 389-410, hier bes. S. 403ff.; Preiser warnte allerdings vor einer übermäßigen staatlichen 
Geldschöpfung und forderte eine gerechte Verteilung der Steuerlast. Zu Preisers Position im 
„III. Reich“ vgl. Krause, Wirtschaftstheorie, S. 73. Unter jüngeren Arbeiten vgl. Stucken, 
Geld- und Kreditpolitik, bes. S. 116 ff. Umfassende Aufarbeitung der deutschen wirtschafts 
wissenschaftlichen Diskussion während des „Dritten Reiches“ bei Frei, Die theoretischen 
Grundlagen, sowie der wirtschaftspolitischen Diskussion bei Herbst, Der Totale Krieg. 
Röpke, Repressed Inflation, S. 253.
	        

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