Full text: Sozialpolitik im deutschen Südwesten zwischen Tradition und Neuordnung 1945-1953

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4. Grundzüge der Kriegsopferversorgung in der sowjetischen, 
amerikanischen und britischen Zone 
Der Stellenwert der Sozialpolitik in der französischen Zone und die Verbindungs 
linien, die von ihr zur Bundes-Sozialpolitik nach 1949/50 laufen, werden im Ver 
gleich der vier Besatzungszonen am deutlichsten. Obwohl die Vorgänge in den 
anderen Zonen einer umfassenderen, politisch und sozialgeschichtlich orientierten 
Untersuchung noch harren, seien daher wenigstens Grundzüge der politischen Ent 
wicklung skizziert; auf die sozialgeschichtliche Situation wird im Zusammenhang 
mit der Darstellung der Entwicklung im Südwesten zurückzukommen sein. 1 Im 
gesamtdeutschen Vergleich bildeten französische und sowjetische Zone, in anderen 
Bereichen vielfach eher vergleichbar, in der Kriegsopferversorgung den größten 
Kontrast, während britische und amerikanische Zone eine Mittelstellung einnah- 
men. 
In der sowjetischen Zone bildete die Kriegsopferfrage insofern gewissermaßen 
kein Problem, als die Besatzungsmacht jegliche gesonderte Versorgung für Kriegs 
opfer außerhalb der Sozialversicherung zunächst verweigerte. Dies entsprach der 
Haltung, wie die Sowjets sie auch im Kontrollrat bis 1947 einnahmen. Ab 
23. April 1946 wurden im Zuge der beginnenden Sozialversicherungsreform Unter 
stützungszahlungen für Beschädigte, die über kein eigenes Einkommen verfügten, 
bis zur Höchstgrenze von 90 RM im Monat genehmigt. 2 Erst, als sowohl die Kriegs- 
opferversorgungs- wie die Sozialversicherungsverhandlungen im Kontrollrat ge 
scheitert waren, erfolgte im Juli 1948 eine rudimentäre Regelung des Problems. 3 
Kriegsopferrenten wurden danach lediglich an erwerbsunfähige Beschädigte ge 
zahlt, die nicht im Dienst von NSDAP-Organisationen beschädigt und nicht im 
Rahmen von Entnazifizierungsmaßnahmen als Aktivisten festgestellt worden waren; 
untere Berechtigungsgrenze war eine Minderung der Erwerbsfähigkeit von minde 
stens zwei Dritteln oder die Vollendung des 65. Lebensjahres (60. Lebensjahr bei 
Frauen). Die Bestimmungen über Nachuntersuchungen waren streng, und die Rege 
lung galt ebenfalls für die Opfer des I. Weltkrieges. Witwen erhielten nur bei entspre 
chender eigener Erwerbsminderung oder bei Versorgung von Kindern Renten, Wai 
sen bis zum 15. bzw. bei Ausbildung bis zum 18. Lebensjahr. Berechnungsgrundlage 
der aus einer Grundrente von 30 RM und einem Steigerungsbetrag zusammenge 
setzten Leistungen war die Sozialversicherungsgesetzgebung; für die Berechnung 
des Steigerungsbetrages, der am monatlichen Durchschnittsverdienst des Betrof 
fenen orientiert war, wurden freiwillige Militärdienstzeiten nicht berücksichtigt. 
Die Höchstgrenze für die Rente lag einschließlich Kinderzuschlägen bei 
1 Siehe unten S. 514 ff., zum Forschungsstand Einleitung oben S. 23 f. 
2 Schiefelbein, S. 108 ff.; Schreiber, Deutsche Lösung, S.13 f. 
1 Verordnung über die Zahlung von Renten an Kriegsinvaliden und Kriegshinterbliebene, 
21.7. 1948, ZVB1. 1948, S. 363 ff., mit den Durchführungsbestimmungen vom 27. 11. 1948 
abgedruckt bei Lehmann, Sozialversicherung, S. 312-319. Vgl. dazu auch Knoll sowie 
Langenecker, S. 91 ff. Diese Verordnung behielt grundsätzlich ihre Gültigkeit; vgl. DDR- 
Handbuch, Bd. 1, S. 756, mit Hinweisen zu den Novellierungen.
	        

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