Full text: Sozialpolitik im deutschen Südwesten zwischen Tradition und Neuordnung 1945-1953

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gearbeitet hat, 5 * besonders im internationalen Vergleich: Während das britische Ver 
sorgungssystem bei allen Unterschieden die gleiche Grundtendenz aufwies, war das 
System in Frankreich auf eine symbolische Bewahrung der nation armee und indirekt 
einer darin gespiegelten idealisierten französischen Gesellschaft 6 angelegt und dement 
sprechend wesentlich stärker an militärischen Kategorien orientiert. Entscheidend 
im Vergleich zu den meisten früheren Regelungen war, daß die Kriegsopferversor 
gung nunmehr voll zu einem Rechtsanspruch wurde und den Almosencharakter 
grundsätzlich verlor. 
Noch während des Krieges waren die in den einzelnen Bundesstaaten getroffenen 
Maßnahmen zur Wiedereingliederung der Versehrten in das Erwerbsleben und zur 
materiellen Sicherung der Hinterbliebenen in die Zuständigkeit entweder des Mili 
tärs oder aber der Fürsorge gefallen, und die ersten reichseinheitlichen Maßnahmen 
und Institutionen wie der am 16. September 1915 gegründete Reichsausschuß für 
Kriegsbeschädigten- und Kriegshinterbliebenenfürsorge, der auf freiwilliger Basis die 
Arbeit der verantwortlichen regionalen Stellen koordinieren sollte, bestätigten dieses 
Prinzip. 7 * Ebenso wie der Verwaltungsapparat der Fürsorge erwies sich die militäri 
sche Versorgungsorganisation, die erst kurz vor Kriegsende 1918 reorganisiert wur 
de, jedoch als überfordert bei der Bewältigung der durch den Krieg in bislang 
ungeahntem Ausmaß gestellten Anforderungen. Tatsächlich erfolgte die Betreuung 
durch eine Vielzahl von Organisationen und Behörden auf verschiedensten Ebenen. 
Zugleich forderten die Siegermächte 1919 eine Entmilitarisierung der Versorgungs 
verwaltung. Langfristige Tendenzen, interne Verwaltungsschwierigkeiten und politi 
sche Auflagen trafen damit zusammen, und vor diesem Hintergrund wurde die 
Verantwortung für das Militärpensions- und Versorgungswesen, von wenigen Aus 
nahmen abgesehen, Ende 1919 dem Reichsarbeitsministerium übertragen.® Hier er 
folgte im wesentlichen die Ausarbeitung des neuen Reichsversorgungsgesetzes, im 
Unterschied zu England und Frankreich, wo die Versorgungsproblematik auch die 
Parlamente während des Krieges ausführlich beschäftigt hatte und weniger als in 
Deutschland den Technokraten überlassen blieb. 9 
Unter den neuen Bedingungen der Kriegführung hatten sich die alten Versorgungs 
regelungen des Kaiserreiches als unzureichend erwiesen. So beruhte das Militärpen 
sionsgesetz von 1871 ebenso wie das Mannschaftsversorgungs- und das Offiziers 
pensionsgesetz von 1906, 10 auf einer Unterscheidung von Mannschaften, Unteroffi 
zieren und Offizieren in der Versorgung. Die Unterschiede wurden vor allem damit 
5 Geyer, Vorbote. 
‘ So Geyer, ebd.,S. 250. 
Vgl. hierzu Szilagi, S. 20 ff., und Whalen, S. 101 ff. 
Verordnung des Reichskanzlers vom 5. 10. 1919, RGBl. 1919, S. 1784. Koordinierende Funk 
tionen waren dem Reichsarbeitsamt bereits durch die Verordnung über die soziale Kriegsbe 
schädigten- und Kriegshinterbliebenenfürsorge vom 8. 2. 1919 (RGBl. 1919, S. 187 ff., abge 
druckt bei Szilagi, S. 29 ff.) zugewiesen worden, welche dem Reich die Kriegsbeschädigten- 
und Hinterbliebenenfürsorge übertrug und Regelungen für ihre Durchführung durch die 
Länder traf. 
Ich folge hier der Darstellung von Geyer, Vorbote, bes. S. 251 ff. 
10 Gesetz vom 31.5. 1906; RGBl. 1906, S. 565 ff. u. 593 ff. Siehe Nitsche, S. 16 f.
	        

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