Full text: Sozialpolitik im deutschen Südwesten zwischen Tradition und Neuordnung 1945-1953

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zahlreichen in das Leistungsniveau einfließenden Bedingungsfaktoren nicht mit 
ausreichender Genauigkeit quantifiziert werden können. Die Ortskrankenkassen 
haben in der Nachkriegskiskussion immer wieder angeführt, daß alleine die Erhal 
tung des Leistungsniveaus ein erheblicher Erfolg gewesen sei. Die besonders starken 
Zerstörungen in den westlichen Grenzgebieten bewirkten vor allem in Teilen von 
Rheinland-Pfalz sehr ungünstige Wohnverhältnisse mit entsprechenden gesundheit 
lichen Folgen. Die hohen Beitragssätze in Rheinland-Pfalz waren teilweise hier 
durch bedingt, z. T. sind sie für Regionen wie Trier allerdings auch langfristig 
bestimmend geblieben. Die Einheitskrankenkasse brachte insofern höhere Belastun 
gen für die Ortskrankenkassen, als sie die früher von den Unternehmen getragenen 
Verwaltungskosten für die Betriebskrankenkassen nun selbst aufzufangen hatten. In 
der britischen Zone wurden mit Sozialversicherungsdirektive Nr. 4 im Oktober 1945 
alle Mehrleistungen außer einigen Leistungen in der Familienhilfe abgeschafft. Mit 
Sozialversicherungsanordnung Nr. 30 wurden im Dezember 1947 vor allem im Be 
reich der Sachleistungen wieder Erleichterungen geschaffen; 10 doch bis 1949 hatten 
grundsätzlich nur die Kassen der amerikanischen und französischen Zone das 
Recht, satzungsmäßig Mehrleistungen vorzusehen, und nur in der französischen 
Zone waren die hierfür zuständigen Selbstverwaltungsorgane wieder ordentlich ge 
wählt worden. 
Bis zur Währungsreform ist das Beitrags- und Leistungsniveau im Südwesten, nach 
den zahlreichen qualitativen Berichten zu urteilen, insgesamt gehalten worden, und 
dies trotz der ungünstigen Umstände. Darauf, daß diese Stabilität - wenngleich nicht 
im einzelnen quantifizierbar - auch der Einheitskrankenkassenstruktur mit zu ver 
danken war, deutet die Entwicklung der Mitgliederstruktur hin. 
Die Statistiken zur Mitgliederstruktur der Ortskrankenkassen enthalten häu 
fig voneinander abweichende Angaben. Da keine der Quellen die hier interessieren 
den Daten durchgehend für die Jahre 1946 bis 1952 enthält, mußte auf unterschiedli 
che Grundlagen zurückgegriffen werden. Die Statistiken des Bundesarbeitsministe 
riums, vermutlich am zuverlässigsten, konnten hier nicht herangezogen werden, da 
die gesuchten Daten aus ihnen nur unvollständig hervorgehen. Differenzen in den 
verschiedenen Quellen können, außer Fehlern bei der Datenaufbereitung, zahlreiche 
und nicht immer erkennbare Gründe haben. So werden teilweise Jahresdurch 
schnitt-, teilweise Jahresendziffern angegeben; offenbar sind zur Berechnung des 
Jahresdurchschnitts in verschiedenen Quellen auch unterschiedliche Verfahren an 
gewandt worden, doch werden diese nicht erläutert. Bestimmte kleinere Gruppen 
von Anspruchsberechtigten werden in den Gesamtzahlen nicht immer berücksich 
tigt, sondern gelegentlich gesondert ausgewiesen, was u. a. die Verhältniszahlen 
verschiebt. Die Statistik der Rentnerkrankenversicherung beruht in einigen Quellen 
auf den Meldungen der Zahlstellen der Post, welche Doppelzählungen bei Bezug 
mehrerer Renten jedoch nicht ausschließen konnten.“ Schließlich ist bei Zahlen für 
die französische Zone nicht immer klar, ob der bayrische Kreis Lindau einbezogen 
Vgl. Die soziale Krankenversicherung im Jahre 1949, S. 12 f. 
Die soziale Krankenversicherung im Jahre 1950, S. 11.
	        

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