Full text: Sozialpolitik im deutschen Südwesten zwischen Tradition und Neuordnung 1945-1953

227 
lung der regionalen Militärregierung vor, die Organisation, welche Wetta in Hessen- 
Pfalz ausgearbeitet hatte, auch für die Regierungsbezirke Trier, Koblenz und Monta 
baur zu übernehmen. 21 * Damit bestand auf der Ebene der Fachoffiziere im Nordteil 
der französischen Zone Einigkeit über die Grundlinie der Sozialversicherungsre 
form. Sowohl in positiver wie in - aus Sicht der Reformer - negativer Hinsicht 
erhielten die deutschen Kräfte nun jedoch erheblichen Einfluß. 
Der weitestgehende Versuch, die 1946 durchgeführte Vereinheitlichung der Kran 
kenversicherung vorzunehmen, gelang Ende 1945 zunächst im Regierungsbezirk 
Trier, der zu dieser Zeit von den anderen Teilen der Zone noch fast völlig isoliert 
war. Unter Federführung des christlichen Gewerkschaftlers und späteren Landtags 
präsidenten August Wolters beschlossen die Krankenkassen des Regierungsbezirks 
ihre Zusammenlegung zu drei Einheitskassen in Trier, Wittlich und Daun; der 
Trierer AOK wurden dabei die wenigen Betriebs- und Innungskassen angegliedert.“ 
Ziel war die Schaffung leistungsfähiger und volksnaher Versicherungsträger mit glei 
chen Beiträgen und Leistungen. 23 Damit war bei dieser weitestgehenden Einheitsver 
sicherungsregelung des Jahres 1945 bereits der Politiker führend, der später zum 
dauerhaftesten christdemokratischen Verfechter der Einheitskrankenversicherung 
im Landtag wurde. Nach der Erinnerung von Wolters hat die Militärregierung diese 
Reform zwar allgemein gestattet, ihre Ausgestaltung und Durchführung aber der 
deutschen Seite überlassen. Demnach war die deutsch-französische Interaktion im 
Raum Trier, in dem auch sonst erhebliche Spannungen mit der 1945 äußerst hart 
auftretenden regionalen Militärregierung bestanden, weniger eng als in Hessen- 
Pfalz. Immerhin stand, wie den Trierern seit der Konferenz mit Billotte im August 
bekannt sein mußte, die Militärregierung in Bad Ems sachlich hinter dieser Konzep 
tion. Schon am 1. Oktober 1945 wurde in Trier ein Oberversicherungsamt eröffnet, 24 * 
und drei Wochen später wurde Regierungspräsident Boden zur Eröffnung des Ko 
blenzer Amtes ermächtigt. 23 Weiter kam die im August geplante Reform jedoch auf 
regionaler Ebene nicht mehr voran: Weder wurde für die Regierungsbezirke Trier, 
Koblenz und Montabaur eine eigene Landesversicherungsanstalt eingerichtet, noch 
wurde die Angestelltenversicherung bereits zum 1. Oktober 1945, wie in einer zwei 
ten Phase geplant, der LVA in Speyer angeschlossen. 26 
Comm. Rebel, Bad Ems, an Thibault in Neustadt, 31. 10. 1945; AdO Colmar RLP C. 
899/3-10-4. 
Die Reform erfolgte in drei Verordnungen: 24. 11. 1945, Amtsblatt der Regierung zu Trier 
1945 Nr. 14, S. 58; 12. 12. 1945, ebd. 1946 Nr. 1, S. 2; 28.3. 1946, ebd. 1946 Nr. 6, S. 31. 
Einzelheiten teilte August Wolters dem Verf. in einem Gespräch am 17.8. 1982 mit. Zu 
Wolters s. unten S. 238. 
Niederschrift über Besprechung des Sozialversicherungsdezernenten Wolters mit den Leitern der 
Allgemeinen Ortskrankenkassen Bernkastel, Morbach und Wittlich, 6. 11. 1945; Registratur 
AOK Trier. 
24 Nachlaß Lange, S. 11; LHA KO 700,86. 
24. 10. 1945; Korrespondenz dazu in AdO Colmar RLPC. 899/3-10-4. Die Militärregierung 
hatte zeitweise erwogen, die Kompetenz des Koblenzer Amtes auch auf den Regierungsbe 
zirk Trier auszudehnen; vgl. Memorandum vom 7. 12. 1945, ebd. 
Umfassend dazu ein Memorandum der Arbeitsabteilung der Militärregierung in Bad Ems 
über die Finanzen der Sozialversicherung, 7. 12. 1945; ebd.
	        

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.