Full text: Sozialpolitik im deutschen Südwesten zwischen Tradition und Neuordnung 1945-1953

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tungsfrage bislang keinen Druck ausgeübt habe. 58 Auch die detaillierten Wirtschafts 
verhandlungen in Washington Mitte November 59 erbrachten keine eindeutige ameri 
kanische Antwort, doch wurden jetzt ökonomische Details der französischen Rühr- 
und Rheinlandpläne erstmals genauer besprochen. Dabei erwies die französische 
Position sich als durchaus verhandlungsfähig. 60 Doch wies das State Department 
Anfang Dezember recht geschickt die Verantwortung für die Stagnation in der 
Deutschlandpolitik in der Öffentlichkeit allein den Franzosen zu, als das Kriegsmi 
nisterium gegenüber dem State Department mehrfach auf eindeutige Instruktionen 
— die es selbst inzwischen teilweise schon nach Berlin gegeben hatte — drängte. 61 
Die Forschung hat dieses Urteil seitdem weithin übernommen. 
Die interalliierten Verhandlungen im Herbst 1945 waren also dadurch gekennzeich 
net, daß die verschiedenen alliierten Entscheidungsträger gewissermaßen aneinan 
der vorbeiredeten: Clay bezog scharfe Positionen, aber gegenüber Gesprächspart 
nern, die sowohl nach Pariser Ansicht wie nach Beschluß der Außenministerkonfe 
renz nicht zuständig waren und dies auch stets von neuem betonten. Washington 
enthielt sich wochenlang einer Antwort und begann erst im November 1945 eine 
genauere wirtschaftspolitische Diskussion über die Ruhr-Rheinland-Frage. Disku 
tiert wurden dann auch nur diese Probleme, in denen die Diplomaten des Quai 
d’Orsay sich rasch kompromißbereiter zeigten als de Gaulle. Typisch für die Unklar 
heiten in der Zentralverwaltungsdebatte ist die Äußerung eines ungenannten Mit 
gliedes der französischen Kontrollratsmission gegenüber Murphy Mitte Dezember, 
den Franzosen sei nie deutlich gesagt worden, die deutschen Zentralverwaltungen 
sollten schwache Gremien unter starker Kontrollratsaufsicht sein. 62 Diese Konstella 
tionen des Herbstes 1945 sind für die Erklärung der französischen Haltung von 
zentraler Bedeutung, und hier setzten Anfang 1946 die französischen Kompromiß 
versuche an. 
Zunächst war die Situation zu diesem Zeitpunkt jedoch längst blockiert: seit Ende 
September hatten die Franzosen im Kontrollrat die Beteiligung an Entscheidun 
gen über deutsche Zentralverwaltungen verweigert, 63 * * * * und als sich um die Jahres 
58 Protokoll in Clay Papers, Bd. 1, S. 111 ff., hier S. 112. Vgl. auch Vermerk über Clay’s 
Gespräch mit Byrnes und Patterson, 6. 11. 1945; FRUS 1945 Bd. 3, S. 892 f. Gimbel, 
American Occupation (S. 16 ff., bes. S. 19) schreibt, die Amerikaner hätten auf verschieden 
ste Weise eine Änderung der französischen Haltung zu erreichen versucht. In den publizier 
ten Akten des State Department findet diese Interpretation nur sehr eingeschränkt eine 
Stütze. Zu der amerikanischen Rücksichtnahme auf die innenpolitische Instabilität in Frank 
reich siehe in ihren ambivalenten Wirkungen für die Deutschlandpolitik u. a. Schreiner. 
Bidault, und Krieger, Clay, S. 104 ff. u. 143 ff. 
59 13.-20. 1 1. 1945; vgl. Bericht in FRUS ebd.,S. 896 ff. 
60 Vgl. die Berichte von Caffery über die Folgeverhandlungen, ebd., S. 912 ff. 
41 Vgl. Schreiben des Kriegsministers Patterson an Byrnes, 21. 11. 1945 (ebd., S. 908 f.), 10. 12. 
1945 (ebd., S. 917) und 28. 12. 1945 (ebd., S. 922 f.). Am 6. 12. 1945 sandte Byrnes (an Caffery, 
ebd., S. 916) ein Ultimatum, wenn die Franzosen nicht zustimmten, würden Drei-Zonen-In- 
stitutionen errichtet; im Kontrollrat hatte Clay dies seit September schon angedroht. 
42 Murphy an Byrnes, 16. 12. 1945; FRUS 1945 Bd. 3, S. 920 f. 
41 Zu den Etappen, die hier nicht detailliert verfolgt werden, siehe u. a. Deuerlein, Obstruk 
tionspolitik; Willis, The French, S. 26 ff. Laufende detaillierte, meist telegraphische Berich 
te des GFCC an MdAE und Baden-Baden in MdAE Y (1944—1949) 453—454.
	        

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