Full text: Sozialpolitik im deutschen Südwesten zwischen Tradition und Neuordnung 1945-1953

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betrieben erklärt, darunter allein 159 Barackenbaufirmen und 43 Textilbetriebe. 13 
Am 31. Dezember 1946 erhielten in Baden insgesamt 15 968 Arbeiter offiziell monat 
liche Zulagen von 400 g Fleisch, 400 g Haferflocken, V* 1 Bouillon, 2,5 1 Wein, 200 g 
Teigwaren und 200 g Trockengemüse. 14 Das waren nur 1,95% der über 18 Jahre alten 
badischen Versorgungsbevölkerung oder 1,34% der gesamten Versorgungsbevölke 
rung zu diesem Zeitpunkt, aber immerhin 18,9% der im Jahresdurchschnitt 1946 in 
Industrie und Handel gemeldeten Beschäftigten 15 und 6% der Erwerbsbevölkerung 
in Baden Ende Dezember 1946. 16 Im September 1947 erhielten in Rheinland-Pfalz 
42 500 Personen über 222 Werksküchen Sonderzuteilungen von jeweils etwa 200 g 
Teigwaren, 200 g Hülsenfrüchten, 100 g Haferflocken, 1 250 g Mehl, 400 g Suppenge 
würzen, 400 bis 1 200 g Fleisch und 2,5 1 Wein, bei im einzelnen schwankenden 
Mengen; 17 das waren 1,5% der Versorgungsbevölkerung und 6,8% der Erwerbsbe 
völkerung. 1 ® Mit der Arbeitnehmerschaft in der Industrie betraf das Prioritätsbe 
triebssystem eine derjenigen Gruppen, die - je nach Standort - die relativ schwierig 
sten Zugangsmöglichkeiten zum ländlichen Schwarz- und Tauschhandel hatten; es 
war für die Ernährungssituation also quantitativ noch bedeutsamer, als in den Rela 
tionen zu den Bevölkerungs- und Erwerbstätigenzahlen zum Ausdruck kommt. Die 
Verbesserung der Produktionsleistung, welche die Militärregierung sich davon ver 
sprach, trat auch deutlich ein. Sie läßt sich aufgrund des vorliegenden Zahlenmate 
rials nicht global quantifizieren, doch stieg beispielsweise in den Singener Fitting- 
Werken die Produktion nach Einführung eines Zulagesystems im Sommer 1947 in 
vier Monaten um 73%, die Krankheitsfälle sanken um die Hälfte und die Fehlschich 
ten von 15-20% auf 0,5%. 19 
Neben die Komplexität des offiziellen und offiziösen Rationierungssystems trat als 
zweiter entscheidender Faktor für die Versorgungslage die individuelle Zu 
gangsmöglichkeit zu den parallelen Märkten. Diese hing allem voran von den 
persönlichen Stadt-Land-Beziehungen ab, die in der stark landwirtschaftlich struk 
turierten französischen Zone naturgemäß besonders entwickelt waren und für die 
Versorgung der Bevölkerung eine größere Bedeutung als etwa im Ruhrgebiet hatten. 
Sie hing weiter von den individuellen Charakteren ab: Bettelei und Hamsterei ist 
nicht jedermanns Sache; je nach Auftreten hatte man mehr oder weniger Erfolg auf 
den Hamsterfahrten zu den Bauern, 20 und je nach Kräften, Abenteuerlust und Risi 
kofreudigkeit dehnte man die Naturaltauschbeziehungen bis in die Vorstadt oder bis 
13 Läufer, Industrie, S. 77. Vgl. Listen der Prioritätsbetriebe in Schreiben Laffons an die 
Landesgouverneure, 12. 9. 1946 u. 3. 10. 1947 (mit Materialien zur ungleichen Lebensmittel 
versorgung), AdO Colmar C. 831 TRA 54. Zum System vgl. oben S. 66 f. 
Monatsbericht des bad. Arbeitsoffiziers, Feb. 1947; ebd. Bade 2402. 
15 Kalkuliert nach: Statistische Mitteilungen für Baden, Jahresheft 1947, S. 6u. 49. 
16 Bulletin statistique No. 5, S. 16. 
17 Rothenberger, Hungerjahre, S. 66 u. 69. 
Nach Bulletin statistique, No. 5, S. 17. Alle Zahlen sind wiederum nur als Trend zu interpre 
tieren, zumal die zugrundeliegenden Daten aus verschiedenen Quellen stammen. 
Läufer, Industrie, S. 162. Die Fitting-Werke waren ein Schweizer Zweigbetrieb, der zur 
Lebensmittelbeschaffung auf Schweizer Lieferungen zurückgreifen konnte. 
20 Dazu anschaulich Rothenberger, Hungerjahre, S. 130 f.
	        

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