Full text: Sozialpolitik im deutschen Südwesten zwischen Tradition und Neuordnung 1945-1953

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als einen Gradmesser für die Moral der Arbeitnehmerschaft betrachtet und daher 
genau zu verfolgen gesucht, sich im Interesse der Produktivität aber auch um ihre 
Reduzierung bemüht. Daß die Gründe vorrangig in der Transport- und Wohnsitua- 
tion sowie der schlechten Versorgungslage zu suchen waren, war den zuständigen 
Stellen klar. 4 Selbst die zuverlässigsten und fleißigsten Arbeiter sind gegenwärtig ge 
zwungen, von der Arbeit fernzubleiben, um den Lebensunterhalt ihrer Familien sicherzu 
stellen, notierte auch die Tübinger Landesdirektion für Arbeit. 5 Repressive Maßnah 
men wie Entzug von Lebensmittelkarten oder andere Verwaltungsstrafen erschienen 
auch den Franzosen nicht nur wenig wirkungsvoll, sondern zudem politisch bedenk 
lich, da peu recommandables dans une tentative de democratisation d’un pays. 6 Da 
Arbeitgeber sich vor Denunziationen ihrer Arbeiter und Angestellten scheuten aus 
Furcht, die Arbeitskräfte zu verlieren, sind die von der Militärregierung erhobenen 
Zahlen mit Sicherheit Mindestwerte. Für die Gesamtzone meldete die Baden-Bade 
ner Militärregierung im April 1946 Fehlschichten bis zu 35% und nahm das Mittel im 
Mai bei etwa 20% an. Für Rheinland-Pfalz und Baden dürfte dies für 1946 ungefähr 
richtig sein; so ergab eine Stichprobenkontrolle in 12 Betrieben im Schwarzwald im 
September 1946 den gleichen Durchschnitt, allerdings bei Unterschieden im einzel 
nen zwischen 7,9% und 62,7%. Württemberg-Hohenzollern, für das keine genauen 
Zahlen vorliegen, hatte 1946 offenbar einen etwas niedrigeren Fehlschichtengrad 
aufzuweisen, wie auch in den folgenden Jahren; hier wirkte sich die im Vergleich zu 
Baden und Rheinland-Pfalz bessere Ernährungssituation aus. Im Durchschnitt des 
Jahres 1947 sind diese Zahlen gesunken und bewegten sich für Rheinland-Pfalz und 
Baden wohl um 15%, für Württemberg-Hohenzollern dagegen nur um 8%. Dabei lag 
der Absentismus bei weiblichen Arbeitskräften relativ wesentlich höher als bei Män 
nern. 7 Bis zur Währungsreform blieb dieses Fehlschichtenausmaß etwa erhalten. 
Dabei ist allerdings einzubeziehen, daß sich hinter den Durchschnittszahlen erhebli 
che monatliche Schwankungen verbargen, die insbesondere von den Ernteterminen 
und den jeweiligen Rationssätzen beeinflußt waren. 8 Das allgemeine Sinken der 
Fehlschichten von 1946 auf 1947/48 spiegelt auch die dargestellte Verdrängung der 
breiten Bevölkerung von den parallelen Märkten wider: Die Effizienz der Tauschtä 
tigkeit sank. Nach der Währungsreform nahmen die Fehlschichten rasch ab, so in 
Württemberg-Hohenzollern bis auf 2,6% im November 1948. 
Vgl. die Monatsberichte des bad. Arbeitsoffiziers (passim), AdO Colmar Bade 2402, sowie 
der Baden-Badener Direction du Travail, z. B. für April 1946, ebd. Bade 2137. Zu den 
Auswirkungen auf die Arbeitsproduktivität in Baden s. auch Läufer, Industrie, S. 158 ff. u. 
185 ff. (Produktionsverlauf 1945/46). 
5 Tätigkeitsbericht für Juli 1946; StA SIG Wü 180/394. ^ 
So die Formulierung im Monatsbericht für Oktober 1947 der Arbeitsabteilung der rheinland- 
pfälzischen Militärregierung (AdO Colmar RLP C. 894/E-7), welche die Entwicklung der 
Fehlschichten gleichfalls ständig verfolgte. 
Als presque total wurde er schon im Monatsbericht des badischen Gouverneurs für Septem 
ber 1945 bezeichnet; Md AE ¥(1944-1949) 434. 
Genaue Monatsstatistik für 1948 in Jahresbericht der Section Travail Württemberg-Hohen 
zollern 1948, Annexe Nr. 7, mit Zahlen zu Urlaub und Krankmeldungen im Vergleich. AdO 
Colmar C. 2546.
	        

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