Full text: Studien zum Meistersinger Jörg Schiller

47 
wesen zu sein, was auch durchaus mit seinem Leben als Fah¬ 
render in Einklang zu bringen ist. In' IV x heißt es : 
„Sorgseligkeit nimpt mir mein mût 
zeitliches hab vnd zeitlich güt 
das mag ich hart erlange . . . 
Wer iez hat zeitlich güt vn hab 
der mag in freuden sitzen 
des selben ich vil armer knab 
mit allen meinen witzen 
nit kan gewine . . .“fiG) 
Über seinen Charakter und seine ganze Persönlichkeit 
läßt sich nur das hervorheben, daß er stark ethisch (IV) und 
aktivistisch gerichtet ist.66 67) Er berichtet über das „schöpfe¬ 
rische Urerlebnis“ seines Dichtens: 
„die weit treibt mich mit irem gesper 
hien auff der dichten Strassen . . .“ (II2) 
Die Besserung der argen Welt ist es, die ihn den Weg der 
Dichtung beschreiten läßt, ihr will er einen scharfgeschliffe¬ 
nen Spiegel Vorhalten; die Mysterien Gottes und der christ¬ 
lichen Religion zu begrübeln, liegt ihm ferner, obwohl er mit 
den spitzfindigen Problemen vertraut ist (III l5 VIII4). Ge¬ 
dichte über theologisch-dogmatische Gegenstände habe ich 
nicht ermitteln können.68) 
Im 'Anschluß an diese wenigen, biographischen Ermitt¬ 
lungen über den Dichter möchte ich noch kurz69) auf seinen 
66) Vergl. meine Auseinandersetzung mit A. Dreyer über dias 
anonyme Gedicht „Ich gib ein 1er dem junge man“, S. 29. 
67') Vergl. auch spätere Erörterungen, S. 7T ff., 94 f, 
68) Vergl. auch G. Roethes Artikel und K. Goedeke „Hans 
Sachs“ I, S. XXIT. 
Das Gedicht nr. IiV gibt Geschäftskniffe, betrügerische Ver¬ 
käufe, Darlehnsschwindeleien, iWuchierarten für (solche ¡an, die 
auf diese Weise sich aus der Armut emporschwingen möchten. Al¬ 
les dies wird aber als des Teufels Eingebung hingestellt. Der 
Dichter weist diese Art, reich zu werden, weit von sich. — Hieraus 
vielleicht einen Schluß auf J. Schs. Gewerbe, Erwerb des Lebens¬ 
unterhalts und Beruf zu ziehen, ist mir zu gewagt. 
69) Ausführlicher vergl. „Anhang“ I und IT.
	        
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.