Full text: Studien zum Meistersinger Jörg Schiller

46 
rissen. Rolf Weber schreibt63) z. B. über MicheT Beheim: 
„Michel Beheim ... ist nach Stoff, Metrik und Gehalt seiner 
Dichtungen durchaus dien Meistersingern beizuzählen, obwohl 
er wahrscheinlich keiner Schule angehörte; jedenfalls ist auf¬ 
fällig, daß er, der doch bedeutend ältere Zeitgenosse des Hans 
Holz, lange vor dessen Streit mit den Mainzern ausschließlich 
in Tönen eigener Erfindung dichtete.“ 64) So auch J. Sch., der 
somit ebenfalls zu den schulfreien und wie Beheim „fahrenden 
Meistern“ zu rechnen ist. Wenn sich dann 'S. Riezlers und 
K. Meys Behauptungen irgendwie belegen lassen würden, so 
müßte J. Sch. auf seinen Fahrten auch nach München und 
Nürnberg gekommen sein und sich längere Zeit dort aufgehal- 
ten haben. Deswegen brauchte er noch nicht gebürtiger Mün¬ 
chener oder Nürnberger zu sein, und die beiden Behauptun¬ 
gen wären unter der Kennzeichnung J. Schs. als „fahrenden 
Meisters“ gut miteinander zu vereinigen. Doch bisher warten 
beide Thesen noch auf ihre wissenschaftliche Begründung. 
Eine Art Anffschluß über J. Schs. Bildung erhalten wir 
auch nur aus seinen Gedichten.65) Er möchte sie (II 1—2) 
zwar gerne „höffelichen richten“, aber ihm „werent nit 
mit die syben künst so teure“. Dies ist bei ihm wohl keine 
bloße Bescheidenheitsformel, denn einige Zeilen weiter sagt 
er gleich noch einmal: 
„Wie wol ich nun des nit enhan 
vnd auch der siben kunst nit kan . . .“ 
Seine wirtschaftliche Lage scheint keine glänzende ge¬ 
63) „Zur Entwicklung und Bedeutung des deutschen Mei¬ 
stergesangs im H5. und !6.' Jhdt.“ Diss. Berlin 192t. S. 19. 
64) Vergl. auch K. Goedeke „Dichtungen von Hans Sachs“ 
r, Einleitung S. XX: „Die Mainzer Schule mochte die bedeutendste 
sein, ausschließliche Geltung hatte sie jedoch nicht. Unabhängig 
von ihr benutzten mehrere Dichter die meistersängerische Form 
des Strophenbaues zu neuen Dichtungen in eigenen Tönen, die zum 
Teil wiederum den alten angeblichen Meistern untergeschoben 
wurden, zum Teil auch die Namen ihrer Erfinder fragen, von de¬ 
nen dann freilich in der Regel nichts weiter als ihr Name und der 
Name ihres Tons bekannt ist". . . . 
65) Vergl. noch spätere Hinweise, S. 79 ff., 85,
	        
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.