Full text: Augsburger Schultheater unter Sixt Birck

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aktenmäßiger Angaben eine Folgerung insofern, als für die 
Meistersingeraufführungen die Genehmigungen zur Benutzung 
bestimmter Spielräume erhalten sind"^. Fehlen diese für die 
Schulaufführungen ganz, so spricht auch das dafür, daß die 
Schulmeister einen ihnen selbstverständlich zur Verfügung 
stehenden Spielraum benutzten, daß der Platz der Aufführung 
im Gebiet des Gymnasiums selbst zu suchen ist. 
Der Ort, dessen „kam agendi quam spe.ctan.di opportuni- 
tas" Birck zur Wiederaufnahme seiner Aufführungen anregte, 
ist der Schulhof von St. Anna. Um mit der Bestimmung 
der Bühne weiterzukommen, ist es erforderlich, die Gestalt 
dieses Hofes für Bircks Zeit festzustellen. Ls muß im Voraus 
darauf hingewiesen werden, daß sich der baugeschichtlichen Unter- 
suchung eines freien Platzes bedeutend größere Schwierigkeiten 
entgegenstellen als der eines Einzelgebäudes. 
Von dem Karmeliterkloster, dessen Baulichkeiten das Gym-- , 
nasiums 1534 endgültig in Besitz nahm, fehlen frühe Nach¬ 
richten^. Erst die Chronik des Burkart Zink"« berichtet, 
daß am St. Andreastag, dem 30. November des Jahres 1460 
das Karmeliterkloster niederbrannte, ,,alle Heuser, die darzu ge- 
hörent, aussgenommen die kirch und die capell, die verprunnen 
nit". Unter dem Prior Johannes Weilheimer fand in den 
folgenden drei Jahren der Wiederaufbau statt^. Ob diese 
Neubauten der Jahre 1460/63 bis zur Auflösung des Klosters 
unverändert bestanden haben, läßt sich nicht feststellen, immer¬ 
hin legt die Tatsache, daß die 1321 erbaute und vom Brand 
verschont gebliebene Kirche mit der Goldschmiedkapelle (1425) 
in den Jahren 1487—97 umgebaut und vergrößert wurdet, 
die Vermutung nahe, daß auch die Klostergebäude eine Um¬ 
gestaltung erfahren haben könnten. 
Die nächste Nachricht fällt bereits in die Zeit der Auf¬ 
lösung des Klosters: die Ueberlassungsurkunde gibt eine ziem¬ 
lich genaue Uebersicht über den Umfang des Klosterbezirks, 
der die Grundstücke mit der heutigen Bezeichnung D 227, 228, 
229, 230, 232, 233 umfaßt. (Abb. 1). Im Westen der Kirche (A) 
148. Pfeifer, R., Die Meistersingerschule in Augsburg und der 
Homerübersetzer Johannes Spreng. München und Leipzig 1919, I, 4. 
149. H e u p o I t erwähnt eine Inschrift in einem der ältesten 
Klassenrüume, die das Gründungsjahr 1321 angibt, das auch mit dem 
Erbauungsjahr der Kirche übereinstimmt. 
150. Augsburger Chroniken II, S. 243. 
151. Lateinische Inschrift, zitiert bei H e u p o l t. 
152. D e h i o , G., Handbuch der dtsch. Kunstdenkmäler III. Bln.1920.
	        
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