Full text: Augsburger Schultheater unter Sixt Birck

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also in den mehrtürigen Abschnitt, dem im )osepdAegypten 
entspricht. Das kann natürlich nicht richtig sein und würde die 
ganze versuchte Einteilung umwerfen, wenn nicht eine weitere 
Neberlegung hinzukäme: in der Stadt Bethulia treten neunund- 
vierzig Personen auf, die im Personenverzeichnis alsper8onae 
urbis deutlich von den neunzehn per8onae castrorum geschieden 
sind, während im ganzen Joseph überhaupt nur fünfund¬ 
zwanzig Spieler auftreten. Das dürfte eine wesentliche 
Verschiebung der einzelnen Bühnenfelder gegeneinander zur 
Folge haben: um neunundvierzig Personen in der Stadt unter¬ 
zubringen, war es nötig, noch einen Teil des Mittelfeldes 
einzubeziehen, einen Teil der bei der Aufführung des Joseph 
dann der Mittelzone -wieder zurückgegeben wurde. Nimmt man 
aus diesem Zwischenabschnitt den Brunnen an, so ist die Ueber¬ 
einstimmung zwischen der Bühne des Joseph und der der Judith 
hergestellt. Eine Vergleichung sämtlicher übrigen Stücke be¬ 
stätigt die Vermutung, daß eine solche Grenzverschiebung 
zwischen den einzelnen Bezirken häufig vorkam, daß ein Teil 
der Dramen das Schwergewicht auf die Seitenbühne verlegt 
(Judith, Samson), während andere das Mittelfeld stärker 
ausnutzen (Nomothesia, Cyrus). Eine solche Aenderungsmög¬ 
lichkeit ist umso wahrscheinlicher, als man sich ja die Begrenzung 
der einzelnen Felder gegeneinander — mit der seltenen Aus¬ 
nahme des ,,Tores" — überhaupt nicht sichtbar markiert vor¬ 
zustellen hat. 
Das wechselnde Größenverhältnis der einzelnen Bühnen¬ 
abschnitte zueinander legt die Frage nach der absoluten Größe 
der Bühne nahe. Schon die Zahlen der gleichzeitig auf der 
Bühne anwesenden Personen geben einen Hinweis in dieser 
Richtung: es ist ganz unmöglich, hier an eine beschränkte 
Podiumbühne im Sinne der sogenannten Terenzbühne oder 
der Nürnberger Meistersingerbühne zu denken. Allerdings, 
Raffers Spiel von der Kinderzucht bringt sogar siebenund¬ 
neunzig Personen auf die Bühne und ist — wie aus den Holz¬ 
schnitten zweifelsfrei hervorgeht — auf einem oder mehreren 
Podien gespielt worden. Aber — und das ist der grund¬ 
legende Unterschied — die Lnsisheimer Aufführung fand im 
Freien statt. Und damit ist ein wichtiger Hinweis für Augs¬ 
burg gegeben: man wird auch hier an ein Spiel unter freiem 
Himmel zu denken habend. Birck selbst bestätigt diese Ver- 
146. Auch die Basler Aufführungen fanden im Freien statt 
(B ä ch t o l d S. 268), zwei Berichte über Susanna-Aufführungen, aller¬ 
dings aus einer Zeit, als B. schon in Augsbg. war, bestätigen das:
	        
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