Full text: Zur Entwicklung und Bedeutung des deutschen Meistergesangs im 15. und 16. Jahrhundert

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und nur auf die Kunst gegründet ist1). 
Holz erblickt, ebenso wie Mügeln, in der Philosophie das 
eigentliche Arbeitsfeld des Meistergesangs. Vas „in den Himmel 
Zielen", das er freilich den reifen Meistern vorbehalten wissen 
will, also die metaphysische Spekulation, die theoretische und prak¬ 
tische Einsicht in die Welt, ist ihm das Ziel, von einer tieferen 
Erfassung der Philosophie kann bei ihm freilich nicht die Nede sein. 
Er gesteht seine Unkenntnis ein, sucht aber auf eigne Hand den 
theologischen Mysterien auf den Grund zu gehn, mit dem Er¬ 
gebnis, daß eine restlose Erkenntnis sich für ihn als unmöglich 
herausstellt. Uber weit entfernt, sich hierdurch zum Zweifel an 
der Wahrheit der Dogmen verleiten zu lassen, erklärt er vielmehr, 
daß das Denken zur Erlassung der letzten Dinge nicht ausreiche, 
d. h. doch, daß über dem Denken der Glaube stehe2). 
Über die religiöse Lyrik des Hans Holz mögen einige kurze 
zusammenfassende Ungaben genügen. Uls Ganzes angesehen zeugt 
sie von eingehender Beschäftigung mit den Lehren der Kirche und 
von dem Bestreben, diese Lehre nicht nur für die eigene Person 
durchzudenken, sondern die Ergebnisse solchen Nachdenkens auch 
den Sangesgenossen mitzuteilen, vom ästhetischen Standpunkt 
aus steht allerdings der gedankliche und spruchartige Charakter 
des Stoffes zu der in formeller Hinsicht rein lyrischen Behand¬ 
lungsart in einem Widerspruch, der nur wieder beweist, wie 
wenig selbst den bedeutendsten Meistersingern das Gefühl für die 
notwendige Bedingtheit der Horm durch den Stoff eigen war. 
Im Vordergründe der Betrachtungen steht auch bei Holz die Jung¬ 
frau Maria und das Dogma von der unbesieckten Empfängnis, 
h vgl. über Nestler und Falz Goedeke, Germania XV (1870) 200; 
G o e de Ke, Gött. Gel. Nnz. 5t. 24 (1872), 1144; Noch, Meistersinger, Baijr. 
Blätter XIII 113; Wertheim, Entstehg. u. verlauf d. d. Mstrgsgs., Progr. 
Tilli 1897, s. 16; Mich els, H. Sachs. . , Voss. 3tg., Sonnt. Beil.Nr. 26 (18Y0); 
Y am p e, Mstrgsg. und Reform, a. a. <D. S. 159 f.; Lütck e, Studien z. Philos. 
d. Mstrsgr. (palaestra Bd. 107), Bin. 1911; Bartsch, Nllg. V. Biogr. XXII 
447; Folzens Meisterlieder sind herausgegeben v. Nug. L. Mayer als 12. 
Bd. d. Deutschen Texte d. Mittelalters, Hrsg. v. d. Ngl. Pr. Nk. d. Miss., 
Berlin 1408. 
2) „Solche und ähnliche Proteste gegen das Denken treten stets auf, 
wo sich der selbständige Gedanke im Mittelalter regt. Sie sind ein typisches 
pater peccavi": Lütcke S. 14 ff., bes. 5. 22.
	        

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