Full text: Der Marpinger Prozess vor dem Zuchtpolizeigericht in Saarbrücken

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Präs.: „Was man im Publikum spricht, das geht uns Nichts an." 
Zeuge: „Ich konstatire also, daß ich mit meinen Aussagen nicht 
gehört werde. In 10 Minuten hätte ich Ihnen Alles explizirt, was ich 
sagen will." 
Präs.: „Diese 10 Minuten sollen Sie haben." 
Zeuge: „Ich habe mich von jeher mit einer gewissen Vorliebe mit 
Naturwissenschaften beschäftigt, weil ich mir einbildete, Dem einmal auf 
den Grund ko in men zu können, was, nach Göthes Faust „die Welt im 
Innersten zusammenhält". Je tiefer ich aber eindrang in die Erforschung 
des Stoffes, desto mehr begriff ich, daß Alles von einem geheimnißvollen 
Dunkel umgeben ist, lind ich kam zu der Einsicht, daß neben der Stoff- 
welt doch noch eine besondere selbständige Geisterwelt existirt, welche sich 
aus verschiedene Weise, zu verschiedenen Zeiten und an verschiedenen 
Orten kund gibt, und ich habe erst volle Ruhe und Befriedi¬ 
gung in der christlichen Lehre von der Geisterwelt empfangen. 
Ich benützte darum auch jede Gelegenheit, derartige Erscheinungen des 
Näheren zu prüfen, habe weite Reisen ins Ausland, z. B. nach Belgien, 
Frankreich und Oesterreich nicht gescheut, um die von dort gemeldeten 
Ereignisse dieser Art zu prüfen. Was nun die Erscheinungen von Warp, 
anlangt, so bestimmten mich dazu noch spezielle Motive, sie des Näheren 
zu untersuchen. Zunächst sagte ich mir, daß in dem großen Geisterkampfe, 
welcher augenblicklich in Preußen tobte, derartige Manifestationen einer 
übernatürlichen Welt durchaus erklärlich seien. Sodann glaubte ich, 
als Abgeordneter für Stadt- und Landkreis Trier verpflichtet 311 sein, 
mich des Näheren mit der Sache zu befassen, weil Marp. zur Diözese 
Trier gehört. Endlich hatte ich als Redakteur des verbreitetsten Blattes 
im katholischen Deutschland die Pflicht, auch in dieser meiner Eigenschaft 
in eine nähere Untersuchung der Angelegenheit einzugehen. Ich that 
dies denn mit der nöthigen Zurückhaltung, die schon durch die Verbrei¬ 
tung und den Ort des Erscheinens der ,Germania' geboten war. Ich 
habe natürlicherweise auch bezüglich der hier in Frage kommenden Per¬ 
sönlichkeiten, speziell der des Herrn Pastors Neur., des Eingehenderen 
mich erkundigt. Ich hatte dazu Gelegenheit in Berlin selbst, wo viele 
Katholiken aus den verschiedensten Gegenden der Monarchie sich auf¬ 
halten: sodann glaube ich, habe ich auch in Trier Erkundigungen ein¬ 
gezogen. Uebernll aber habe ich gehört, daß der Herr Pastor Neur. 
ein durchaus ehrenhafter und tugendhafter Priester ist.
	        

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