Full text: Der Marpinger Prozess vor dem Zuchtpolizeigericht in Saarbrücken

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entnommen; sie sehen ja z. B. Leichenzüge in ihrem Dorfe und sehen 
Bilder in der Bibel. Ich fragte sie, ob sie solche Bilder schon gesehen 
hatten; nur eines der Kinder gab dieses zu; es war mir dieses auf¬ 
fallend, da ich voraussetzte, das; alle Kinder in diesem Alter schon 
Bilder gesehen hätten." 
Präs.: „Also es kam Ihnen so vor, als ob die Kinder auf 
Grundlage der Bilder, welche sie gesehen, sich die Erscheinungen erdacht 
hatten ?" 
Gatzen: „Jawohl." 
Vertheid. Simon: „Wenn die Kunz gesagt hat, die Taube habe 
über Leist geschwebt, so hat sie diese Worte nur gebraucht, um einiger¬ 
maßen z r bestimmen, w o dein; die Taube gewesen sei; sie hat dieses 
„„Darüberschweben"" aber nicht so aufgefaßt, als wenn deßhalb auch 
die Worte: „„Dieser ist mein geliebter Sohn k."" auch auf den 
Knaben Nikol. L e i st sich beziehen sollte n." 
Präs. betont, daß itt dem Protokolle stehe: „Die Taube schwebte 
über dem kleinen Leist." 
Advokat Simons wünscht genaue Antwort auf diese Frage, ob die 
Kunz ausdrücklich erklärt habe, daß die Worte: „Dieser ist 
mein geliebter Sohn"" — von ihr so verstanden worden seien, 
als ob der keine Leist damit gemeint gewesen sei. 
Friedensr- Gatzen sagt, erklärt habe die Kunz das nicht. 
Präs. (zu Reur.): „Wenn das Kind behauptet, der heil. Geist 
schwebe über dem Nikolaus Leist und es seien gleichzeitig die Worte zu 
vernehmen: „„Dieses ist mein geliebter Sohn"" dann heißt das doch, der 
kleine Leist sei ein neuer C h r i st u s. Ist das nicht eine Gottes¬ 
lästerung ?" 
Neur.: „Mir hat allerdings Herr Friedensr. Gatzen gesagt, die 
Kunz habe behauptet, daß der hl. Geist über dem kleinen Leist geschweb 
habe; als ich aber darauf die Kunz darüber befragte, hat sie unter 
Lächeln es abgewiesen, daß sie eine solche Behauptung aufgestellt 
haben solle." 
Präs.: „Im Protokolle steht: „„Der heil. Geist schwebte nicht über 
Maria, sondern über Leist."" Es steht nun auch in demselben: „Ich 
betrachte den Neur. nicht als einen Betrüger, sondern als 
einen Betrogenen."" 
Gatzen: „Ich wiederhole aus meinen Eid, daß dieses auch meine 
Ueberzeugung ist.
	        

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