Full text: Der Marpinger Prozess vor dem Zuchtpolizeigericht in Saarbrücken

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brav wie andere geschilderte Kind die Erscheinung nicht auch gesehen 
haben sollte, daß aber nainenllich die Meißberger ferner bekundet, wie 
sie m t den anderen Kindern damals zugleich den Wald verlassen habe, 
daß sie von einem Erschrecken der Kinder und einer Flucht derselben aus 
dem Walde nichts bemerkt und daß auch ans dem Heimweg von einer 
gesehenen Erscheinung keine Rede gewesen sei; 
daß sich auch, als erst später die Anwesenheit der Meißberger im 
Walde während der angeblichen ersten Erscheinungen ruchbar wurde, 
das Gewicht vorstehender Erwägungen in Marpingen alsbald fühlbar 
machte, indem behauptet wurde, das Kind habe nur deßhalb von der 
Erscheinung nicht gesprochen, weil sein Vater es sonst mit Schlägen 
bedroht habet 
daß aber der Vater Meißberger auf seinen Eid die letztere Behaup¬ 
tung als unwahr bezeichnet und bekundet hat, daß sein viinb ihm sofort 
nach feiner ersten Befragung offen erklärt habe, daß es nichts gesehen habe ; 
in Erwägung ferner, daß die Zeugineil Eva und Elisabeth Schwind, 
welche am 11. Juli 1876 an der sogeuaitnten Gnadenstälte waren, fol¬ 
gende Beobacht ng machten, daß nämlich die Margaretha Kunz vor der 
Stelle knieete, wo sie die Erscheinung erblickt haben wollte und welche 
dadurch für die Zeuginen genau fixirt war, daß dieselben eine Anzahl 
Kranker auf Anweisung des Kindes die Stelle, wo der Fuß Mariens 
gestanden haben soll, berühren sahen, das; Blumen, welche ringsherum 
und namentlich auch hinter der Erscheintiugsstelle standen, umfielen und 
daß nun die Kunz nach Angabe der vorgedachten Zeuginen durch die 
von der behaupteten Erscheinung ein teiiommene Stelle hindurchgriff 
und sich hindurchbeugt,', um die umgefallenen Blunien wieder aufzu¬ 
stellen ; 
daß, wenn das Kind wirklich eine Vision gehabt hätte, nothwendig 
die Scheu und Verehrung vor derselben es von einem solchen, jede Ehr¬ 
furcht und jede Scheu ausschließenden Thun abgehalten hasten würde 
und daher der Rückschluß, es habe in der That damals nichts gesehen, 
sondern crdichteterweise dies nur vorgegeben, nothwendig geboten erscheint; 
in Erwägung, daß sodann die Zeugin Lehrerin Klein bei ben frag¬ 
lichen Kindern in der Schule die gewöhnliche Aufmerksamkeit für den 
Unterricht beobachtet haben will, wenn auch die Kinder während dieser 
Zeit in der Schule, und zwar nicht für bloße Augenblicke, sondern auch 
für längere Dauer, die Muttergottes gesehen haben wollten; 
daß auch aus diesem Umstande sich der Schluß rechtfertigt, daß die 
Kinder in Wirklichkeit in der Schule keine wunderbaren Erscheinungen 
gesehen haben; 
in Erwägung ferner, daß schon bei dem ersten Verhör der Kinder 
durch den Untersuchungsrichter Remel» am 15. Juli 1876, also bald 
nach den ersten Erscheinungen, sich schwerwiegende Widersprüche ergeben 
haben (ck. rol. t, foi. 13—17);. 
daß nämlich die rc. Kunz aussagte: „Dann (5. Juli 1876) frugen 
wir, ob denn Kranke sie berühren dürften?" rc., während die Huber-
	        

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