Full text: Der Marpinger Prozess vor dem Zuchtpolizeigericht in Saarbrücken

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Alle Zeugen, welche während dieses Zeitraumes mit den Kindern in Be¬ 
rührung kamen, beurtheilen dieselben, namentlich die Marg. Kunz, sehr 
ungünstig. Landgerichlsrath Kleber bezeichnet zwei der Kinder (die Kunz, 
und die Leist) als verschmitzt und verlogen, wahrend ihm die Hubertus 
beschränkt erscheint. Dem Kriminal-Kommissar von Mrerscheidt-Hüllesseiu 
kam dagegen die Leist als die „dümmste" vor. Ueber den Geisteszustand 
der beiden andern Kinder war derselbe noch am 16. Oktober so wenig 
klar, daß er deren Unterbringung in eine Irrenanstalt vorschlug. Ueber- 
einstimmend mit dem Zeugen Kleber, dem die Kinder schon so der Lüge 
verfallen erschienen, das; er sich gar nicht mehr die Mühe gibt, sie zur 
Wahrheit zu ermahnen, charakierisict die Zeugin Riemer die Kinder, 
namentlich die Kunz, als verlogen, und der Zeuge Referendar Strauß 
gibt sein Urtheil dahin ab, daß ihm kein Verbrecher vorgekommen sesi 
welcher mit solchem „frechem Applomp" gelogen habe, wie das 9jährige 
Kind. Ich habe diese Urtheile nicht neben einander gestellt, um an einem 
derselben Kritik zu üben; im Gegentheil, ich muß dieselben von; Stand¬ 
punkte der Urtheilenden für berechtigt erklären. Die Kinder mußten 
dem Untersuchungsrichter Kleber verlogen erscheinen: denn während die¬ 
selben früher zahlreichen Personen, lind insbesondere dem ersten Unter¬ 
suchungsrichter gegenüber, die von ihnen behaupteten Erscheinungen mit 
aller Bestimmtheit und in allen Einzelheiten aufrecht erhalten, hallen 
dieselben, wenigstens das intelligenteste von ihnen, bereits theilweise vor 
dem Geheimpolizisten v. Meerscheidt-Hüllestem die frühern Angaben zu¬ 
rückgenommen, als Herr Kleber sie kennen lernte, und die Widerrufe 
und Widersprüche folgten sich dann in verschiedenen Versionen mit 
größerer oder geringerer Bestimmtheit vor ihm selbst unb vor andern 
Personen. 
Daß die Kinder die Unwahrheit gesagt und theilweise unter er¬ 
schwerenden Umständen die Unwahrheit gesagt haben, steht juristisch 
fest; aber gänzlich verkehrt wäre es, daraus den Schluß ziehen ju wol¬ 
len, daß die ersten Angaben, auf welche die Kinder später mit der 
frühern Bestimmtheit zurückgekommen sind, erlogen waren. Im Gegen¬ 
theil drängen die allergewichtigsten psychologischen Airhaltspunkte 
zu der Annahme, daß die Auslastungen unniittelbar vor und während 
der Detention der Kinder in Saarbrücken objeltiv unwahr waren. Der 
Eindruck, welchen die Kinder bis zu diesem Zeitpunkte machten, war ein 
sehr günstiger. Das Urtheil des Untersuchungsrichters Remclö habe ich
	        

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