Full text: Der Marpinger Prozess vor dem Zuchtpolizeigericht in Saarbrücken

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Neur. in den Mer Jahren, während ich in Koblenz Pastor war, fünf 
Jahre mein Kaplan gewesen ist, und daß ich von 1868 ab, bis zum 
Tode des Bischofs, Generaloikar war. Da ich mit Pastor Neur. im 
freundschaftlichsten Verkehr stand, machte er mir über die Vorgänge freund¬ 
schaftliche Mittheilung; offizielle konnte er nicht machen, d> keine vorge¬ 
setzte geistliche Behörde da war. Er schrieb erst einige Zeit nach den 
Vorgängen, was geschehen war; er erwartete gewiß, das; ich ihm eine 
Mittheilung machen, oder daß ich nach Marp. kommen würde, was ich 
jedoch nicht that. Geschrieben habe ich Hrn- Neur. überhaupt nicht; 
derselbe hat mich nach seiner Entlassung aus dem Gefängnisse besucht. 
Auf mein Befragen antwortete er mir in unzweideutigster und 
wahrhaftigster Weife: Ich glaube fest an die Erscheinung und habe 
keinen Grund, den Kindern zu mißtrauen. Ich lobte ihn noch, daß er 
gar keinen Antheil an der Sache genommen, daß er die Leute nicht in 
ihrem Glauben bestärkt und nicht an der Gnadenstelle gewesen fei. Meine 
Hoffnung, daß eine kirchliche Untersuchung ebenfalls stattfinden werde, 
ging nicht in Erfüllung, und ein diesbezüglicher, von mir an das Dom¬ 
kapitel zu Trier gerichteter Antrag ging nicht durch." 
Präs.: „Hat er seinen Glauben nur darauf gestützt, daß die 
Kinder glaubwürdig seien, oder hatte er noch andere Grüitde?" 
Zeuge: „Ich erinnere mich dessen nicht mehr genau." 
Verth. Simons: „Der Zeuge wird, da er 5 Jahre mit dem 
Pastor Neur. zusammen war, an der Hand von Thatsachen über 
die U n e i g e u n ü tz i g k e i t des Herrn Pastors berichten können. Es 
war der Vertheidigung dieses vorher nicht bekannt." 
Präs-: „Der Herr Pastor hätte Sie schon von vornherein darauf 
aufmerksam machen können." 
Simons: „Hr. Neur. war zu delikat, mit mir darüber zu sprechen." 
Bachem: „Ich muß hinzufügen, daß mich Herr Pastor Neur. er¬ 
sucht hat, hinsichtlich seiner Uneigeunützigkeit keine Fragen zu stellen; er 
erhebt jetzt jedoch keinen Widerspruch." 
Zeuge: „Ich freue mich, die Uneigennützigkeit des Herrn Neur. 
konstatiren zu können. Ich halte denselben absolut unfähig, einen Be¬ 
trug zu begehen." 
Präs.: „Das ist nicht die Frage; Sie sollen nur Thatsachen 
über die Uneigennützigkeit bekunden." 
Zeuge: „Ich weiß mich sehr gut zu erinnern, daß Herr Pastor
	        

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