Volltext: Der Marpinger Prozess vor dem Zuchtpolizeigericht in Saarbrücken

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Wir sichen jetzt an den Aussagen des Äirthes CarlBecker und seiner 
Frau Katharina, welche gemäß frühern Beschlusses jetzt verlesen 
werden." 
Karl Becker sagte früher wie folgt: „Meine Frau leidet schon 
so lange au einer Krankheit, die ich nicht näher bezeichnen kann, welche 
ich jedoch als Herzschwäche ansah-, im vorigen Winter hatte sie noch die 
Gliederkrankheit bekommen. Auf ihren Wunsch brachte ich sie am 
12. Juti an die Gnadenstelle, wo die 3 Wunderkinder waren. Sie 
kniete nieder und b tete dort, und glaubte bald nachher, Besserung zu 
verspüren; darum gefragt habe ich sie damals nicht. Vor mehrern 
Wochen kam ein mittelmäßig großer, gesetzter Herr mit schwarzem Voll¬ 
bart und einem Fehler an einem Auge, wie ich nachher hörte, Dr. 
Thömes mit Namen, in meine Wirthschaft und kragte derselbe gleich, 
wie es mit der Heilung wäre und machte Aufzeichnung darüber. 
Darauf ging er mit mir und meiner Frau in ei i anderes Zimmer und 
sag'e, ob wir uns nicht in die Z itung wollten setzen lassen, was wir 
vel»einten. Was er mir vorgelesen, weiß ich nicht mehr. Dann rief 
er noch beim Weggange mir zu: „Nur ja fest bei der Aussage 
bleiben!" 
Die Aussage der Ehefrau Becker lautete: „Vor einigen Wochen 
kam der Cand. Phil. Dr. Thömes m unsere Wohnung und machte 
Notizen über meine Heilung, die e,r mir vorlas. Sein Vorschlag, die 
Heilung zu veröffentlichen, gefiel mir, wurde aber von meinem Manne 
abgelehnt. Weiter murde Nichts gesprochen, und ob er bei seinem Weg¬ 
gange sagte: „„nur ja bei der Wahrheit bleiben!"" weiß ich nicht mehr." 
— Dann ist die Zeugin nach einigen Wochen nochmal vernommen 
worden, und heißt es da: „Der Zeugin wurde die Darstellung der 
doppelten Heilung von ihr und von ihrem Kinde in der Broschüre von 
Dr. Thömes vorgelesen, und erklärte dieselbe.: Die Darstellung ent¬ 
spricht vollkommen d e r W a h r h e i t, d i e S a ch e i st ihm von 
mir so erzähl morden. .Ich habe jedoch nicht gesag-, mein Kind 
habe 2 Tage vorher den letzten Krankheitsanfall gehabt. Die betref¬ 
fende Aussage des Kriminal - Kommissars v. Meerscheidt-Hüllessem, 
(welcher den Dr. Thömes auf feinem Gange zu den Eheleuten Becker 
begleitet hatte) muß aus einem Mtßverständniß beruhen, ich selbst 
haue auf dem Gange nach Marp. einen Krampsanfall gehabt, was ich 
dem Dr. Thömes gesagt habe, es kann also verwechselt worden fein;
	        

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