Full text: Geschichte der evangel. Gemeinde Alt-Saarbrücken

IV. DAS KIRCHENVERMOGEN 
Die im Jahre 1261 von dem Stift St. Arnual in Saarbrücken an 
der Stelle der fpäteren Schlol^kirche erbaute St. Nikolauskapelle 
hatte kein eigenes Vermögen, fondern wurde von dem Stift 
St. Arnual unterhalten, welches den Zehnten in Saarbrücken erhob und 
dafür den Pfarrer ftellte. Da die Stiftsherren jedodi in der Erfüllung 
ihrer pfarramtlichen Pflichten lehr fäumig waren, fo wies im Jahre 1400 
der Abt von Wadgaffen wohl auf Veranlaflung des Grafen, die Summe 
von 500 Gulden an, von deren Zinfen — 22 Gulden — ein Frühmelfer 
befoldet werden follte. Diefe Stiftung wurde aber im Jahre 1411 zurück¬ 
gezogen, und im folgenden Jahre Mieten Henfelin vom Efchberg und 
einige andere Bürger von Saarbrücken eine Frühmeffe „auf unfer lieben 
Frauen Altar“. Zwifchen dem Grafen Philipp I. als Vertreter der Saar¬ 
brücker Bürgerlchaft und dem Stift wurde die Abrede getroffen, da£ 
alles, was während der Frühmeffe geopfert würde, dem Kirchherrn 
(Stiftspfarrer) zufallen, alle Gefdienke aber zwifchen ihm und der Mutier¬ 
kirche St. Arnual geteilt werden follten und zwar fo lange, bis dem Altar 
ein jährliches Einkommen von 40 Gulden daraus erwachfe; was dann 
weiter gcfchenkt würde, follte dem Stift allein zufallen. Alle Gülten 
und Gefälle, die zu der Frühmeffe gefliftet würden, follten dem Früh- 
meffer, einem Kaplan, der zwei bis drei Frühmeffen in der Woche zu 
halten hatte, zufallen, die Kollatur (Befetjung der Stelle) aber dem 
Stift allein zuftehen. 
Zur Aufrechterhaltung diefer Stiftung bildeten die beteiligten Bürger 
eine befondere Bruderfchaft, die St.-Nikolaus-Bruderfchaft; an ihrer 
Spitze ftand ein Brudermeifter, der das Vermögen zu verwalten hatte. 
Eine andere derartige Vereinigung war die Hofgelinde- oder St.-Georgs- 
Bruderfchaft, welche die gräflichen Beamten umfaßte und in der Kreuz¬ 
kapelle ihren religiöfcn Mittelpunkt hatte. 
Diefe Bruderfchaften erhoben ein Brudergeld und erhielten reiche 
Schenkungen, fodalj ihr Vermögen fich bald ftark vermehrte. Die über- 
243
	        

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.