Full text: Geschichte der evangel. Gemeinde Alt-Saarbrücken

Der Nachfolger des Grafen Philipp III. war Graf Ludwig {1602—1627), 
der die fämtlichen Länder der Walram’fchen Linie diesfeits und jenfeits 
des Rheins vereinigte. Er hat im Jahre 1604 das evangelifdic Gym- 
nafium in Saarbrücken gegründet aus dem viele proteftantifdre Prediger 
hervorgegangen find. 
Die Frömmigkeit und kirchliche Gefinnung des Grafen Ludwig wird 
von feinem Biographen Dr. Werner fehr gerühmt. Wie diefer erzählt, 
war Graf Ludwig beim Klange der Sonntagsglocken der erfte, der 
mit feinem ganzen Haufe zur Kiidre ging; der Predigt folgte er mit 
großer Andacht und wohnte dem Gottesdienfte und dem Abendmahle 
bis zum Ende bei. Sein Amt als oberfter Landes-Bifchof nahm er 
mit großer Gewiffenhaftigkeit wahr. Jeder Kandidat, der um eine 
Pfarrftelle fidr bewarb, mußte fich in die jeweilige Refidenz nach 
Saarbrücken, Ottweiler oder Saarwerden begeben und dort in der 
Schloßkirche vor dem getarnten Hofftaat nach dreimaliger Verbeugung 
gegen den gräflichen Stand die Probepredigt halten, in der cs an 
ateinifdren Zitaten und Ausfällen gegen Rom und die Sektierer nicht 
fehlen durfte. An feinem Hofe hatte der Graf gewöhnlich einen Geiftüchen, 
der an der Tafel die Tifchgebete zu fpredren und die Seelforge aus¬ 
zuüben hatte. In dem Schlöffe ließ der Graf eine Hofkapelle erbauen, die 
1615 durch den Superintendenten Keller eingeweiht wurde; die Schloß- 
kirche lieh er erneuern und eine neue Kanzel darin aufftellen. 
Zum Beweis der Frömmigkeit des Grafen erwähnt Andreae, daß er 
dem Hofprcdiger einen Diaconus (Hilfsprediger) beftcllte, neben den 
zwei sonntäglichen und zwei Wodicnpredigten noch die Vesperpredigt 
am Samstag einführte, „zur Zier des Kirchengefangcs eine rühmliche 
musicam, Kapcllmeiftcr, Organiften und andere Inftrumentiften“ hielt, 
täglidi öffentlidie Betftundcn, dazu monatliche Bettage und Büßpredigten, 
auch befondere Bußtage, befonders Neujahrstag mit drei Predigten 
und Gelängen, wobei Jung und Alt faltete, einführte. 
Im Anfänge des Jahres 1617 ließ Graf Ludwig alle Superintendenten 
und Infpektoren feines Landes nach Saarbrücken berufen, um über 
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