Full text: Geschichte der evangel. Gemeinde Alt-Saarbrücken

follten als Feiertage Epiphanias (6. Jan.), Mariä Reinigung (2. Febr.). 
Mariä Empfängnis (25. März) und Trinitatis gehalten werden. 
Am 3. Wcihnadits-, Öfter- und Pfingfttage, an Mariä Heimiuchung 
(2. Juli), Johannis, Midiaelis und Apofteltag (15. Juli) Tollte nur 
eine Predigt gehalten werden, nadi Mittag das Volk aber wieder zu 
feiner Arbeit gehen. Dazu kam in jedem Monat ein Bußtag; audi 
Tollte innerhalb der Woche in den Städten wenigftens zweimal, auf dem 
Lande einmal gepredigt werden. Gefang, Gebet und Predigt follten 
deutfeh fein; nur in den Städten war zu Anfang und zur Vefper ein latei- 
nifcher Pfalm gehaftet. Alle Gelänge follten möglidift kurz fein, damit 
das Volk nicht vor der Predigt mit Uberdruh erfüllt werde. Die Predigten 
follten klar und verftändlich fein; im Hauptgottesdienft follten fie nicht 
länger als drei Viertel, hödiftens eine Stunde, sonft nur eine halbe 
Stunde dauern. Weitere Vorfdrriften betrafen befonders die zu Weih¬ 
nachten, Oftern und Pfingften vorzunehmenden Konfirmationen und die 
jährlichen Vifitationen, die im einzelnen genau geregelt wurden. Diefe 
ftrenge Ordnung des Gemeindelebens war in diefer Übergangszeit, 
wo nach der Löfung der früheren Feifein manche Spuren von Ver¬ 
wilderung fich zeigten, durchaus nötig. 
Es liegt am Tage, wie fehr die landesherrliche Macht des Grafen 
durch feine nunmehrige Stellung als oberftcr Bifchof der Landes¬ 
kirche geftärkt wurde. Erft durdi das Kirdienregiment, die Aufficht über 
das Kirchengut und die Übernahme der bisherigen Aufgaben der 
Kirche, wie Unterricht und Armenpflege, wurde die Landeshoheit zum 
Abfchlu^ gebracht. 
Übrigens gehörten die Grafen Albrcdit von Ottweiler und Philipp 
von Saarbrücken keineswegs der entfdüedenen lutherifchen Richtung 
an,# die eben damals (1577) durch die abfchlie^ende Konkordienformel 
ftatt Einigung dauernde Zwietradit zwifchen den Evangelifchen her¬ 
vorrief. Im Verein mit den übrigen wetterauifchcn Grafen lehnten die 
Naffaucr es ab, die Konkordie zu unterfdireiben. 
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