Full text: Geschichte der evangel. Gemeinde Alt-Saarbrücken

Herren und des Abtes von Wadgaffen mußten die Steine anfahren, die 
Leute von Malftatt das Holz.*) 
Aus diefer Nachricht geht hervor, dalj der Bau nicht erft i. J. 1476, 
fondern fdion vorher begonnen worden war, da drei alte. d. h. frühere 
Baumeiftcr erwähnt werden. Sehen wir uns nun nadi den Zeitverhält- 
niffen um. Im Jahre 1472 war Graf Johann III. geftorben, deffen 
prächtiges Grabmal in der Stiftskirche von St. Arnual von befonderem 
künftlerifdien Werte ift. Da er in zahlreidie Fehden verwickelt war, 
fo hatte er nicht nur die Burg Saarbrücken neu befeftigen, fondern 
auch den Mauerring der Städte durch die Bürger verftärken faffen. 
Auf die Klage der Bürger, dalj es ohne des Grafen Rat, Hilfe und 
Gnade nicht möglich fei, die „Befeffigung und Gewehre der Städte, wie 
dies not ift, zu bauen und zu vollführen*', gehaftete er ihnen, ein 
neues „Umgeld", d. h. eine auftergewöhnlidre Abgabe vom Wein, 
nämlich die zwanzigfte Ma^ von allem zum Zapfen verkauften Wein, 
zu erheben. Dicfes Umgcld follten die Bürger anlegen „an Bau, Be- 
feftigung und Gewehr oder fonft zu Nut^ und Notdurft der zwei 
Städte. In jeder Stadt follte aus den Bürgern ein redlicher und ver- 
ftändiger Mann zum Baumeifter gewählt werden, der in Saarbrücken mit 
dem Meier und in St. Johann mit dem Burgemeifter das Umgeld 
hebe, verbaue oder anlege. Davon follten fie den Bürgern alljährlich 
Redmung legen. 
Der Graf war aber auch auf Vcrfchönerung der Städte bedacht. Im 
Jahre 1461 befahl er, dalj jeder in der Stadt, es feien Edle, Bürger, 
Freie oder andere, vier Fulj breit vor feinem Haufe zu poweien (pflaftern) 
habe; was darüber fei, folle die Gemeinde tun und bezahlen. 
Der Graf war in erfter Ehe mit der reidien Gräfin Johanna von Loen 
und Heinsberg vermählt und verfügte über bedeutende Geldmittel, Im 
Jahre 1471 lud er feine Verwandten und Freunde, u, a. den Kur- 
*} Lohmeyer, Die Kunft in Saarbrücken. (Mitteilungen des Rheinifchcn Vereins für 
Denkmalpflege und Heimatfchutj, 6. Jahrgang 1912, Heft 1.) 
179
	        
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