Full text: Geschichte der evangel. Gemeinde Alt-Saarbrücken

Im Jahre 1862 wurde die Verteilung von Bibeln an Brautpaare bei 
der Trauung eingeführt. Die Koften follten wenigitens z. T. durch 
Sammlungen bei Hochzeitsfeiern aufgebracht werden. 
Im Jahre 1863 wurde auf rechtzeitige Taufe eines Kindes unter An¬ 
drohung von Kirchenzuchtmaljregeln gegen den fäumigen Vater ge¬ 
drungen. Amtshandlungen von einem anderen Pfarrer als dem, der 
die Amtswoche hatte, wurden 1864 auf unverlegbare Falle, zu denen 
Trauungen und Taufen nicht gehörten, befchränkt. Auswärtigen 
Pfarrern follten Amtshandlungen (Kafualien) auf Wunich der Familie 
nur gehaftet werden, wenn die kirchliche Handlung in der Gemeinde 
des auswärtigen Pfarrers abgehalten wurde. Im Jahre 1865 befdiloh 
das Presbyterium, dah alljährlidi am 10. Sonntag nach Trinitatis in 
der Predigt der Judenmilfion gedacht und am Schluß des Gottcs- 
dienftes eine Sammlung, für diefen Zweck veranftaltet werde. Am 
10. Juni 1866 wurde wegen der näher kommenden Kriegsgefahr die Ein¬ 
führung von allabendlichen Gebeisgottesdienften angeregt. Zunädrft 
wurde die Mittwodisbetftunde auf 7 Uhr abends verlegt. Diele Bet- 
ftunde wurde ¡m Jahre 1877 wegen ungenügender Beteiligung aufge¬ 
hoben mit Ausnahme der Advents- und Paifionszeit. 1867 wurden 
Eltern von Kindern, die der Konfirmation entzogen wurden, von der 
Abendmahlsfeier und dem Recht, Taufpatenftellen zu übernehmen, aus- 
gefchloffen. Zugleidi wurden Hausandachten empfohlen. 
Während des Neubaues der Malftätter Kirche (1868—1870) wurde 
der dortigen Gemeinde an hohen Feittagen und befonderen Feiern die 
Schloljkirche überlaffen. 
Im Jahre 1874 wurde der neuerrichteten altkatholifchcn Gemeinde auf 
eine Eingabe des Regierungs-Affelfors Thome die Benutzung der Lud¬ 
wigskirche zu ihrem Gottesdienft bedingungsweife und widerruflidi 
gegen eine Gebühr von einem Taler, jährlich gehaftet. Am 20. Juni 
wurde ein altkatholifcher Firmungsgottesdienft durch Bifchof Reinkens 
in der Ludwigskirche abgehalten. 
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