Full text: Die Franzosen in Saarbrücken und den deutschen Reichslanden im Saargau und Westrich

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und belacht. Beschämt mußt er ihn wieder mit Lebensgefahr her¬ 
abnehmen. 
Diese Beschäftigung dauerte drei Tage und drei Nächte bei¬ 
nahe, kein Mensch ließ sich auf den Straßen blicken, und aller Orten 
hörte man ein dumpfes Getöse aus der Tiefe oder von der Höhe 
herab. Endlich war das Aufräumungsgeschüft vollzogen. — Manche 
hatten zuviel aufgeräumt, so daß der einfältigste Sansculotte 
solches merken mußte, und diese allzufürsichtigen Leute setzen sich 
vielleicht Mißhandlungen aus, werden vielleicht gezwungen, ihre 
verborgenen Sachen zu entdecken. Mich dünkt immer das Sicherste 
die Sache so einzurichten, daß der Schein vermieden wird, als ob 
man versteckt habe, und so viel zu lassen, daß der Plünderer sich 
sättigen kann. 
Nun sind wir in stiller banger Erwartung unsers Schicksals. 
— Morgen wird sich solches entscheiden. 
Ehe vorgestern sind die optima spolia, welche Held Houchard 
mit seiner Armee errungen hat, hier zum Vortheil der Republik 
versteigert worden. Er erfuhr, daß in Cusel einige Effecten und 
Kleidungsstücke der Frau von Esebeck von Zweibrücken und einiger 
andrer Damen verborgen seien, und war niederträchtig genug die¬ 
selben zu rauben und die Republik mit Weibernippen zu bereichern. 
Bemerken Sie sichs, mein Bester, als einen nicht unwichtigen 
Beitrag zur weiblichen Bizarrerie, daß in dem Zeitpunkt, da jeder¬ 
mann den Verlust desjenigen, was er wirklich besitzt, als beinahe 
unvermeidlich ansieht, da besonders die Frauenzimmer den Verlust 
ihres Putzes im voraus mit heißen Thränen beweinen, dennoch 
eine große Anzahl, und zwar Frauenzimmer allein, der Ver¬ 
steigerung beiwohnte und mit der größten Begierde eitlen Flitter¬ 
staat ersteigte. Bemerken Sie es aber auch als ein Beispiel der 
heutigen Ungalanterie der Franzosen, daß, als sich ein unter den 
zu versteigernden Sachen befindlich gewesener kostbarer Fächer ver¬ 
schoben hatte, der die Versteigerung dirigirende Commissür so un¬ 
verschämt war den steiglustigen Damen eine Visitation anzumuthen- 
Zu ihrem Glück kam der Fächer, ehe zu diesem Extrem geschritten 
wurde, wieder zum Vorschein.
	        

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