Full text: Die Franzosen in Saarbrücken und den deutschen Reichslanden im Saargau und Westrich

259 
verabreichen, welches die Republik dann ebenfalls behalten hat und 
welches wenigstens 20 000 Gulden an Werth beträgt. Dann 
wurden auf einigen benachbarten Werken, welche Privatleuten ge¬ 
hören, eine beträchtliche Quantität Kienruß, Salmiak, Alaun, Berliner 
Blau, Bittersalz u. f. w. von der Beschützerin des Eigenthums der 
Privatleute weggenommen. 
Dann bemächtigte man sich der eisernen Gesimse am Schloßhof, 
dem Schloßgebände, den Fürstl. Gärten und an den Thoren zu 
St. Johann, ungeachtet dieses das letzte Eigenthum der Stadt war, 
endlich gar noch der eisernen Thore an den Kirchhöfen und der 
eisernen Thüren an Privatgärten, welches alles nach Frankreich 
abgeführet wurde. Es war den Franzosen nicht genug an dem 
Raube dessen, was wir hatten und sie fanden; wir sollten auch 
noch suchen um ihre Beute zu vergrößern. Ein Commissär ließ 
öffentlich bekannt machen, daß wir die Haubitzgranaten, Kanonen- 
und kleine Kugeln, die die Preußen in unsrer Gegend verschossen 
und wir wahrscheinlich gefunden hätten, nicht nur bei Todesstrafe 
auf der Stelle abliefern sondern auch die übrigen noch aus dem 
Felde aufsuchen sollten. Eine nochmalige Heuliefernng folgte hier¬ 
auf. Und endlich wurde den Beamten anbefohlen in den Städten 
und auf dem Lande eine bei Verlust der Köpfe richtig verfertigte 
Consignation alles Viehes, alles Futters und aller 
Früchte, welche noch vorhanden sind, einzubringen. Diese letztere 
Verfügung hat allgemeine Furcht erregt, da mail nichts gewissers 
erwartet als daß alles aufgezeichnete weggenommen und weg¬ 
gebracht werden wird. 
Urtheilen Sie also von der Lage, worin uns diese Furcht 
versetzt, und welche wahrlich so erbärmlich ist, daß sie keiner Ver¬ 
schlimmerung mehr bedarf. Der Mangel an Lebensmitteln aller 
Art ist äußerst groß und was das schlimmste ist, unersetzlich. Die 
Hungersnoth ist vor der Thür, und manche Familien leiden solche 
wirklich. Ansteckende Krankheiten, durch den Mangel vermehrt, 
wüthen mit der größten Heftigkeit, so daß wöchentlich 10 bis 
20 Personen dahin sterben, fast der vierte Theil der gewöhnlichen 
Sterblichkeit eines ganzen Jahres; und bei alle dem keine oder 
nur eine entfernte Aussicht, daß sich unsre Lage verändern werde. 
17*
	        

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.