Full text: Die Franzosen in Saarbrücken und den deutschen Reichslanden im Saargau und Westrich

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in der Stunde seiner Ankunft sein Oheim mit zween Söhnen mit 
einigen Hundert andern Unglücklichen mit Kartätschen erschossen 
wurden; wie er Augenzeuge dieser Greuelthat sein mußte, nicht 
eine Thräne vergießen durfte und nur erst, als die letzten Zuckungen 
der Gemordeten aufgehört hatten, sein Pferd wenden und seine 
Vaterstadt, wo er alles, was ihm lieb war, verloren hatte, ver¬ 
lassen konnte. 
Aber auch andre, welche so schweres Unglück nicht gebeugt 
hatte, haben sich rechtschaffen betragen. Selten haben die Offiziers 
ihre Hülfe versagt, wenn sie von den hiesigen Einwohnern ange¬ 
rufen wurden, um Unordnungen der Soldaten zu steuern, doch da 
sie keine Zwangsmittel gebrauchen durften, so waren ihre Be¬ 
mühungen gewöhnlich fruchtlos; und ihre Dienstfertigkeit in solchen 
Fällen war auch nicht eine Zeit wie die andere, sondern formte 
sich nach den Gesinnungen der allmächtigen Repräsentanten. Diese 
waren immer nachtheilig für uns, und bei ihrer Anwesenheit zwang 
die Furcht den bravsten Mann Wider seinen Willen jenen gemäß 
zu handeln. 
War aber die Rede nicht von Soldaten, so suchten sie uns 
in jeder Angelegenheit, oft auch nicht ohne ihre Gefahr, gefällig 
zu sein. 
So viel ich mich erinnere, habe ich Ihnen in meinen vorigen 
Briefen bereits mehrere Beispiele angeführt. Hier noch einen kleinen 
Nachtrag. 
Während der Anwesenheit des deutschen Heeres vor unsrer 
Stadt war in einer unsrer Städte kein Brod zu haben, und ich 
war genöthigt meine Magd in die andere Stadt zu schicken. Wegen 
einer Bewegung der deutschen Vorposten war der Uebergang über 
die Brücke ohne Erlaubsschein vom General verboten, und die 
Magd wurde zurückgewiesen. Ich entdeckte meine Verlegenheit einem 
Oberst von der Cavallerie, der bei mir wohnte, und dieser ging 
auf der Stelle um einen Erlaubnisschein bei dem commandirenden 
General Vincent auszuwirken, und da er ii)it nicht in seiner 
Wohnung fand, ging er in die andre Stadt um ihn aufzusuchen- 
Eine Viertelstunde nachher kam General Vincent selbst in meine 
Behausung und meldete mir auf die höflichste Art, daß der Ueber-
	        

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