Full text: Die Franzosen in Saarbrücken und den deutschen Reichslanden im Saargau und Westrich

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nicht Republikaner sein wollten, wenigstens durch republikanisches 
Begräbnis dazu einzuweihen. 
Wie sehr der Mensch geneigt ist dasjenige, was er nicht wünscht, 
auch nicht zu glauben, haben wir bei den neuern Kriegsvorfällen ge¬ 
sehen. Die Nachrichten von dem glücklichen Erfolg der Franzosen wur¬ 
den geschwind verbreitet, aber auch so lange widersprochen, bis 
endlich Augenzeugen und selbst deutsche Berichte solche bestätigten. 
Sie, mein Freund, werden solche sobald und eher noch als wir 
erhalten haben. Ich will dieselben also mit Stillschweigen über¬ 
gehen. Nur der Umstand ist Ihnen wohl unbekannt geblieben, 
daß bei der Hanptattaque des wichtigsten Postens die franz. Na- 
tionalgarden und Volontairs von der hinter ihnen aufgestellten 
Cavallerie mit Säbelhieben vorangetrieben und das Zurückweichen 
unmöglich gemacht wurde, und daß man noch eine beträchtliche 
Anzahl Kanonen aufgepflanzt und den Truppen den Endzweck 
derselben, nämlich die Zurücksliehenden niederzuschießen, nicht ver¬ 
hehlet hatte. Da hieß es also wohl: Volontair, friß oder stirb! 
und die französischen Generals hatten ganz richtig calcnlirt, daß 
die Deutschen einem solchen Angriff nicht widerstehen würden. 
Daß aber die Franzosen einen außerordentlichen Menschenverlust 
dabei erlitten haben, ist außer Zweifel. Alle Chirurgen, welche 
bei dem hiesigen Spital angestellt waren, mußten in aller Eile 
nach dem Elsaß ausbrechen, und um die hiesigen Blessirten und 
Kranken keinen Mangel an chirurgischer Hülfe leiden zu taffen 
sind die Chirurgen in der Stadt in Requisition gesetzt worden 
und müssen solche behandeln. Nach den französischen Zeitungen 
ist das Schicksal der Pfalz und der übrigen diesseits des Rheins 
gelegenen Länder, welche die Deutschen verlassen haben, von dem 
Nationalconvent entschieden. An deren Behauptung wird und 
kann nicht gedacht werden, und deswegen ist der Befehl erlassen 
solche gänzlich auszuleeren. Daß die Franzosen in Befolgung 
dieses Befehls nicht säumig sein müssen, beweisen die Fruchttrans¬ 
porte, welche unaufhörlich hier durch passiren; die Heerden Schaafe, 
Kühe und Ochsen, welche täglich ankommen, und welche wir mit 
Wehmuth, die Franzosen mit ausschweifender Freude erblicken. 
Bei uns und ihnen sind diese verschiedenen Gemüthsbewegungen
	        

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