Full text: Die Franzosen in Saarbrücken und den deutschen Reichslanden im Saargau und Westrich

190 
die in den Städten zurückgebliebenen Volontairs und das ehrsame 
Corps der Kanoniers waren nicht säumig, sondern zogen in Hellen 
Haufen aus um zu rauben. Nichts entging ihnen, und wo die 
Mobilien entweder von den Eigenthümern gerettet oder bereits 
entwendet waren, nahmen sie die Schlösser, Riegel und Bande von 
den Thüren und die Fenster aus den Häusern weg. Besonders 
war das Schicksal der Einwohner von Malstatt sehr hart. Diese, 
welche während der Bloqnade allem schändlichen Muthwillen der 
gegenüber an der Saar postirten französischen Vorposten ausge¬ 
setzt waren, welche unaufhörlich auf die Häuser feuerten, hatten 
sich um der dringendsten Lebensgefahr zu entgehen aus ihrem 
Dorf entfernt. Dasselbe war also Preis gegeben, und alles, was 
losgerissen und weggebracht werden konnte, wurde geraubt; kein 
Ofen blieb in dem ganzen Dorf übrig, und hier sah man das 
erste Exempel, daß französische Bauern, unsre Nachbarn von 
Speichern, welche fast alle ohne Ausnahme von dem Almosen der 
Städter lebten, Antheil an der Plünderung nahmen und besonders 
sich der Ofen bemächtigten. 
Nur in einigen Dörfern hatten die Landleute Muth genug 
sich diesen Räubern mit Gewalt entgegen zu setzen und manche 
derselben empfindlich zu züchtigen. Dies geschah besonders in 
Ranßbach im Oberamt Saarbrücken und in Eiweiler im Cöller- 
thal. Im ersten Ort setzte sich die Gemeinde in förmlichen Ver¬ 
theidigungsstand, sicherte die Zugänge durch Wagenburgen und 
hielt Wache in der Kirche. Es gelang ihr verschiedene Angriffe 
der Räuber abzutreiben und sogar einige Gefangene zn machen, 
welche revolutiounairemöut gerichtet mit der im Urtheil zuerkann¬ 
ten Prügelstrafe belegt und so vom Boden der Sclaverei ins 
Land der Freiheit zurückgesendet wurden. Und nun hatten die 
Bauern Ruhe vor ihnen. In Eiweiler, einem Dörfchen von neun 
Häusern fanden sich 18 Marodeurs ein und fingen an zu plün¬ 
dern. Alle Einwohner eines Sinnes fielen über sie her, schlugen 
sie zur Erde und banden sie, nachdem sie aufs derbste abgeprügelt 
waren, mit Stricken und bedrohten sie, sie zur Armee zu führen, 
welches sie jedoch auf die flehentliche Bitte der Gefangenen, noch 
mehr aber aus Politik unterließen. Wenn doch überall der Muth
	        

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.