Full text: Die Franzosen in Saarbrücken und den deutschen Reichslanden im Saargau und Westrich

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Häusern umher und baten um Brod gegen Bezahlung zu jedem 
Preis, andre um Gottes Willen. Allein bei dem besten Willen 
konnten wir ihren Hunger nicht stillen ohne uns selbst demselben 
Preis zu geben. Wir stellten ihnen unsre Lage vor, beriefen uns 
auf unsre Bereitwilligkeit, mit welcher wir sonst unsern Bissen mit 
den Truppen getheilt hatten, betheuerten, daß dieses noch geschehen 
würde, wenn uns nicht die Repräsentanten mit barbarischer Härte 
alle Lebensmittel geraubt hätten, an welche wir sie zum Schluß 
mit ihrem Brodgesuch verwiesen. 
Und glauben Sie wohl, mein Bester daß diese hungrigen 
Soldaten das Gewicht unserer Gründe und das uns geschehene 
Unrecht empfanden und mit der demüthigsten Miene, mit Ent¬ 
schuldigungen, manche mit Thränen in den Augen abzogen. Am 
meisten waren einige Bataillons neu ausgehobener Volontairs zu 
bedauern, welche vor drei Tagen hier ankamen, die in den letzten 
Tagen ihres langen Marsches schon Hunger gelitten und nun hier 
seit 3 Tagen nicht einen Bissen gegessen haben. 
Da die Soldaten aller Orten auf die nämliche Art ab-, und 
an die Repräsentanten verwiesen wurden, so rotteten sich die 
Canoniers und mehrere Truppen besonders von der Cavallerie 
zusammen, sdrangen zum Ehrmann ein und lasen ihm den Text, 
wobei sie besonders ihm vorwarfen, daß er durch unsere Plünde¬ 
rung, welche sie unpolitisch und unvernünftig nannten, sie in den 
gegenwärtigen Mangel versetzt habe. Dieser war in der größten 
Verlegenheit, gab die besten Worte, holte endlich seinen Brodvor- 
rath inib wollte ihn unter die Soldaten vertheilen, welche aber 
das Anerbieten mit Hohngelächter anhörten, ihm das Brod vor 
die Füße warfen, weg gegen das Lager zogen und laut vive le 
Roi! retournons en France! ausriefen. Alles war einem völligen 
Aufruhr nahe, und er würde unfehlbar aus- und das ganze 
Lager nach dem Innern aufgebrochen sein, wenn nicht ein unglück¬ 
seliger Einfall der Preußen solches verhindert hätte. Auf einmal 
fingen diese ein heftiges Kanonenfeuer an und warfen eine be¬ 
trächtliche Anzahl Haubitzen nach St. Johann, wodurch das Kind 
eines Einwohners getödtet und einige Dächer und Schornsteine 
Zertrümmert wurden. Dies machte einen Stillstand unter den
	        
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