Full text: Die Franzosen in Saarbrücken und den deutschen Reichslanden im Saargau und Westrich

145 
rauchenden Gebäuden, stellten Betrachtungen über die Vergänglich¬ 
keit menschlicher Herrlichkeit an, überschauten das Gemälde aller 
Vergnügungen, die wir einst da genossen hatten, sahen den Fürsten, 
wie er mit lächelnder Miene sich unserer Freude ohne sie zu stören 
freute, sahen wieder das Bild, das sich oft unsre Phantasie erschuf, 
den Liebling unsres Herzens an seiner Stelle, unter seinem glück¬ 
licher: Volke wie ein Vater unter seinen Kindern wandeln und er¬ 
wachten erst, als ein noch schändlicherer, schrecklicherer Auftritt uns 
aus unsern Betrachtungen aufschreckte. Könnte man bei den Fran¬ 
zosen, nämlich denjenigen, welche die Macht in Händen haben und 
welche sich zur Scharrde der französischen Nation die Nation neunen, 
menschliches Gefühl vermuthen, so würde man glauben müssen, daß 
das Verbrennen auf dem Lrrdwigsberg zu unserm Bester: geschehen 
sei um nämlich ur:s stufenweise durch den mindern zum größer:: 
Schrecken vorzubereiten. Um 8 Uhr Abends ertönte ein fürchterliches 
Geschrei aux armes! aux armes! auf den Straßen. Nicht einmal 
eine Minute blieb uns der Gedanke eines Angriffs der Deutschen. 
Ein Blick ans dem Fenster zeigte uns die wahre Ursache: das 
schöne fürstliche Schloß stand in hellen Flammen. Ich würde ver¬ 
gebens versuchen Ihnen den Schrecken zu schildern, welchen dieser 
unerwartete schreckliche Anblick bei den Einwohnern verursachte, ver¬ 
gebens die Furcht, welche die Franzosen ergriff, und den Lärm der 
Munitionswagen, welche von Saarbrücken nach St. Johann ge¬ 
bracht wurden, das Geschrei derjenigen, welche von St. Johann 
r:ach Saarbrücken flüchtete;:, wozu alle Franzosen gehörten, welche 
nicht in Militärdiensten standen. Ein großer Theil der Soldaten 
folgte verstohlen nach. Die Franzosen ergriffen alle das Gewehr 
und stellten sich in die Straßen, obwohl mit Furcht und Zittern, 
da einige alle Augenblicke einen Angriff von den Deutschen ver¬ 
mutheten, andre glaubten, daß die Armee im Abmarsch sei und 
das Verbrennen des Schlosses wie an anderer: Orten z. B. zu 
Homburg noch die letzte Heldenthat vorstellen sollte. 
Wir glaubten das letzte, und niemand unterstand sich aus 
Furcht vor Plünderung sein Haus zu verlassen, zumal da man 
sah, daß alle Rettung vergeblich war und man erfuhr, daß die¬ 
jenigen, welche von St. Johann zum Löschen nach Saarbrücken 
10
	        

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.