Full text: Die Franzosen in Saarbrücken und den deutschen Reichslanden im Saargau und Westrich

91 
Den folgenden Tag äußerten sich bereits die Folgen dieser 
Rede. Wir wurden bei Strafe aufgefordert all unser Gewehr an 
den Stadtmagistrat abzuliefern, welcher den großen Fehler beging 
nicht zugleich bekannt machen zu lassen, daß die Franzosen solches 
verlangten, so daß jedermann glaubte, daß man aus Fürsicht die 
Einwohner entwaffnen wolle, um nicht im Fall eines Angriffs der 
Deutschen den Franzosen Gelegenheit zu geben uns beschuldigen 
zu können, als wenn Einwohner auf sie gefeuert hätten, wie sie 
es in Homburg machten. Dies hatte die Wirkung, daß der aller¬ 
größte Theil geliefert wurde, welches eine große Summe an 
Werth beträgt, da alle Bürger mit Gewehr versehen waren und 
viele Particnliers mehrere und kostbare Gewehre besaßen. Die 
Consternation wegen dieser Entwaffnung war so groß, daß manche, 
selbst Leute, denen man mehr Gegenwart des Geistes hätte zu¬ 
trauen sollen, ihre Degen abgaben, ohne die silbernen Gefäße zu¬ 
rückzubehalten, welches andre wie Recht und billig war thaten. 
Als wir auf solche Art außer Vertheidigungsstand gesetzt 
waren, wurden unsre Früchte in Requisition gesetzt. Jedermann, 
wer einen Vorrath von Weizen, Gerste und Hafer hatte, mußte 
solchen abgeben. Dabei war militärische Visitation und im Fall 
einer sich vorsindenden Verlüngnung Behandlung als Feind der 
Republik gedrohet. Und hiermit war es noch nicht genug, sondern 
Archier war so billig noch überdies von den beiden Städten drei¬ 
tausend Säcke neuen Weizen, zu zweihundert vierzig Pfund den 
Sack, zu fordern. Um sich das Unsinnige dieses Verlangens vor¬ 
zustellen müssen Sie sich erinnern, daß unsre beiden Stadtbänne durch 
die Houchardifche Armee gänzlich ruinirt worden, so daß die einge¬ 
scheuerten Früchte von gar keiner Bedeutung sind, daß selbst bei einer 
vollen Ernte der Ertrag diese Quantität Früchte nicht erreicht haben 
würde, daß wir von der Saarbrücker Seite von Lothringen um¬ 
schlossen sind, daß das Ottweilerische und ein Theil des Cöllerthals 
von den Deutschen besetzt ist und wir dort nichts holen können, und 
daß die in der Nähe liegenden Dörfer bereits ausgeleeret, die 
Früchte größtentheils verdorben oder fouragirt worden sind. Allein 
was vermochten diese und andre Gründe bei einem Archier? Es 
muß geliefert feint Früchte oder Köpfe! war immer der Re¬
	        
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.